In dem Land, wo Schafsmilch und Berghonig fliesst

Standard

Na, auch schon mal von nem Schafsbock aus naechster Naehe betrachtet worden ?! 🙂 Wir sind seit einigen Tagen mitten in der Hochebene des Baskenlandes und rasten zwischen Spanien- und bevorstehender Frankreich-Durchquerung bei  der alten Couchsurfer-Bekanntschaft Asier in Gorriti. Wir koennen unser Glueck noch gar nicht fassen, wieder in Zentraleuropa zu sein – wir hatten Heimweh nach Weite, nach gefuehlter Unendlichkeit von Land und “echtem Spanien” mit Zuegen! Unsere Zugstrecke Cadiz-Donostia fuehrte uns selig mit allem Gepaeck vorbei an den verschiedensten Landschaften und Ansiedlungen Spaniens. Hier eine von Felsvorspruengen zerklueftete Berglandschaft, am Horizont Schneebedecktes –  dort Ackerlandbau, der schon im Februar gewaessert werden muss. Bis Madrid wurden wir geblendet von tollster Vorfruehlingssonne, ja es gab sogar Laubbaeume, die ihr Laub den gesamten Winter nicht abwerfen … die echte Vitamin-D-Empfehlung nach ein paar Monaten dunklem Winter in Deutschland 🙂 Da noch karnevalistische Suedkueste, jetzt gleich steile Nordkueste. Andalusien, vielleicht typisch spanisch oder doch nur von den Mauren wieder zurueck erobert? Das Baskenland kennen bestimmt viele von euch? Ja, leider genau wie Katalunien: annektiert nach erbitterten Kriegen und Terror beider Seiten.  Asier versuchte es noch einmal verstaendlich zu erklaeren: “Stell dir vor, die EU beschliesst, dass nun alle Franzoesisch als erste Sprache haben, Deutsch sprichste nur noch zu Hause” – natuerlich ist das alles schon 1,2 Generationen her und wenn wir in Castellano (abgeleitet von Kastillien) mit den Menschen hier sprechen ist das fuer sie auch voll ok – aber wir wissen alle, dass manche Wunden der Identitaetsberaubung bei manchen schneller heilen als bei anderen. Wieder ein Grund mehr zur Freude, dass wir in Deutschland unsere Sprache beibehalten durften und nicht gezwungen wurden die Besatzungssprache als Erstsprache zu erlernen!

Als wir, angekommen in San Sebastian gleich die Strecke bis Paris ausgedruckt haben wollten, mussten wir jedoch feststellen, dass das europaeische Regionalverkehrsnetz nicht bis in die Computer Spaniens reicht. Ausserdem wurden wir belustigt angeschaut, dass wir uns so viel Zeit genommen hatten und tatsaechlich von Cadiz aus mit den Zuegen der “Media Distancia” gereist waren. Als ich dann ebenso belustigt konterte, dass wir den Hinweg mit dem Tandem gemacht haetten, konnte ich ein Schlucken am anderen Ende des Mikros hoeren 😉 Nachdem wir 3 Naechte in Madrid verbracht haben, freuten wir uns natuerlich um so mehr wieder auf die Natur wie oben auf dem Bild ersichtlich! Ich wuerde sagen, dass das hier ein kleines Paradies ist: “die baskischen Alpen” und ein paar Kilometer weiter wartet schon das architektonisch schoene, sowie klimatisch ansprechende San Sebastian mit wellentollen Kuesten, ach, ich komm immer wieder gern her 🙂 Warum so zoegerlich mit Madrid? Wahrscheinlich ist es wie mit jeder Hauptstadt: die einen moegen sie, die anderen nicht 😉 – klar gibt es tolle Boulevards, bis zu 8 stoeckige Altbauten, die in der Sonne nur so strahlen, alternative Buchlaeden und sogar vegetarische Restaurants mit durchgaeniger Kueche. … aber der Verkehr 😩 wir haben immer geschaut, dass wir so schnell wie moeglich an einem Springbrunnen oder Park waren, um in der Sonne zu lesen 🙂

Wofuer wir jetzt sonst noch Zeit haben: was uns auffaellt ist unsere Gelassenheit, mit der wir uns durch die Gegend bewegen koennen. Gern mache ich auf der Rolltreppe Platz oder bleibe stehen, wenn eine braun behaarte Raupe den Weg kreuzt! Die Wochen Winterschlaf auf den Kanaren haben ihren Zweck nach gut 5000km Radstrecke erfuellt: wir haben entschleunigt, wir sind hier und jetzt 🙂         Somit ist auch fuer alles Zeit, was uns zufaellig begegnet: so fragte mich eine polnische Erasmusstudentin in Madrid, als sie mich auf einer Bank lesend sah, ob ich fuer sie kurz eine Opernkarte kaufen koenne, da die Karten nur auf Personalausweis verkauft wuerden und sie fuer einen Kumpel noch eine Zusaetzliche brauche. In einem Buchladen wartete ich auf Florian, der zu einer Kundgebung unterwegs war (siehe vorheriger Post) und geriet zufaellig in eine Leserunde: da durch die Krise viele Spanierinnen und Spanier gerade nach Deutschland gehen um dort vielleicht Arbeit zu finden, ist das Interesse,

unsere Sprache zu lernen natuerlich auch gewachsen: so sass ich dort mitten in einer kleinen Runde und las 5 Saetze aus meiner aktuellen Lektuere. Einmal auf Hochdeutsch und einmal so richtig schoen “Huesch-Niederrheinisch” … danach wurde befunden, dass ich emotionaler sprach, als ich mich im SingSang erprobte 😉 Bei einer kleinen Radtour am Sonntag fiel mir auf einmal ein weinendes Maedchen in den Schoss – ich konnte sie wiegen, bis ihre Mutter auftauchte. Ja, einfach da sein 🙂 Letzten Freitag kamen wir in die unglaubliche Gemuetlichkeit bei Asier – das schon erwaehnte Dorf Gorriti lag mitten im Nebel und Restschnee 🙂 und dies 2 Tage lang (!!) erst am Montag gab der Nebel die atemberaubende Landschaft wieder frei – was wir gestern gleich genutzt haben, um gute 40km bergab nach San Sebastian zu radeln! Voll gut, einfach eine Radtour ohne gross Gepaeck und Anhaenger 😉 Morgen packen wir wieder alles zusammen und reisen ueber Bordeaux nach Paris/Montrieul. Wir freuen uns schon !! … neue Bilder in der “Reisegallerie”

Madrid: Puerta del Sol, Franquismo und Kinze Emme

Standard

Madrid, die weltweit bekannte Puerto del Sol. Nachdem auf diesem Platz letzten Mai tausende Menschen wochenlang kampiert und zahlreiche Buergerversammlungen (Asambleas) abgehalten haben, um progressive Gesetzgebung gegen Finanzspekulation, Korruption und sozialen Ausgleich auf den Weg zu bringen, wird er auch der spanische Tahrir-Platz genannt. Die immer noch regelmaessig stattfindenden Asambleas sind mittlerweile zwar in die Vororte gezogen, um so naeher an den Leuten dran zu sein, trotzdem finden noch zentrale Kundgebungen am laufenden Band statt. So wie letzten Donnerstag. Um 19 Uhr trafen sich alle Unterstuetzer von Balthasar Garzon, jenem Richter, der gerade selber unter Anklage steht, weil er ein Verfahren zur Untersuchung der Verbrechen der Franco-Dikatur  eingeleitet hatte, obwohl dies unter dem 1977 verabschiedeten Amnestiegesetz verboten ist. Hinterbliebene trugen Bilder von verschwundenen Familienmitgliedern mit sich, waehrend mehrere Runden um das Reiterdenkmal auf dem Platz abgeschritten wurden. Immer wieder ein Halt vor dem Rathaus, rhythmisches Rufen: “In diesem Haus wurde gefoltert!” Auch Amnesty und Human Rights Watch fordern mittlerweile die Abschaffung des Amnestiegesetzes, das damals  den friedlichen Uebergang von der Diktatur zur Demokratie unterstuetzen sollte, heute aber eine Aufarbeitung der Verbrechen verhindert. Insgesamt haben die Gegner Garzons drei Prozesse gegen ihn angestrengt (oder besser “konstruiert”, wie seine Anhaenger sagen wuerden). Er selber hat bereits angekuendigt, notfalls am Europ. Gerichtshof fuer Menschenrechte in Berufung zu gehen. Im zweiten Prozess wurde heute das Urteil verkuendet, Details darueber und auch ueber den ersten Prozess finden sich in diesen zwei Guardian-Artikeln, einmal hier: http://www.guardian.co.uk/world/2012/feb/27/baltasar-garzon-cleared-franco-crimes und hier: http://www.guardian.co.uk/world/2012/feb/09/spain-judge-baltasar-garzon-suspended (dort auch immerhin ein Foto von der Kundgebung, meine Fotos kann ich gerade nicht gut hochladen, kommen spaeter nach – aehnlich problematisch auch die spanische Tastatur, die wieder einmal gruessen laesst)

Gleich nach den Garzon-Unterstuetzern, um 20 Uhr, ging es mit 15M weiter auf dem Platz. “Kinze Emme”, die Graswurzelbewegung, die den “arabischen Fruehling” in einen “europaeischen Sommer” verwandelt hat, mit Nachwehen bis in den Herbst hinein (vgl. unseren Post vom 15.Oktober) und in die daraus entstandene “Occupy”-Bewegung weltweit, insbesondere in Chile, England, Israel und Griechenland. 15M hielt den Sommer ueber zig Plaetze in Spanien besetzt, um die Debatte ueber soziale Gerechtigkeit, Finanzmarktregulation, Transparenz und Partizipation oeffentlich zu fuehren. Am letzten Donnerstag lag der Fokus wieder auf ungezuegelter Finanzmarktspekulation und Kuerzungen an falscher Stelle (“Wir bezahlen nicht fuer eure Krise”), auf Nahrungsmittelspekulation (die  “Haende weg vom Acker” foodwatch-Kampagne, aber auf Spanisch) und auf einem Set moeglicher Finanzmarktregulierungen wie die Tobin Tax (Attac, angeblich auch Merkozy), oder die zuletzt von Obama in seiner “Rede an die Nation” im Wahlkampf angepriesene (Warren) Buffett-Tax (angemessener Steuersatz fuer die Top 1%) oder die Volcker-Rule (die u.a. die Groesse von Banken beschraenkt). Das Video des Traders Rastani, der auf BBC gestand, er haette sich schon lange eine solche Krise ertraeumt und alle Rettungspakete seien sowieso zum Scheitern verurteilt (vgl. Griechenlandpaket von heute), schien somit wieder im Mittelpunkt des Interesses zu stehen. (Zum Anschauen des Rastani Interviewausschnitts hier: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bbc-interview-als-internet-hit-das-wahre-gesicht-des-kapitalismus-1.1151390.) Auf dem Platz kam mir auch noch einmal das Pamphlet in den Sinn, mit dem der 15M letzten Mai so bekannt geworden ist, dass es dann auch vom Resistance-Veteranen Stephane Hessel in seinem “Empoert euch!”-Bestseller aufgenommen worden ist: “Wir sind normale Menschen. Wir sind wie du: Menschen, die jeden Morgen aufstehen, um studieren zu gehen, zur Arbeit zu gehen oder einen Job zu finden, Menschen mit Familien und Freunden. Menschen, die jeden Tag hart arbeiten, um denjenigen die uns umgeben eine bessere Zukunft zu bieten. Einige von uns bezeichnen sich als aufklĂ€rerisch, andere als konservativ. Manche von uns sind glĂ€ubig, andere wiederum nicht. Einige von uns folgen klar definierten Ideologien, manche unter uns sind unpolitisch, aber wir sind alle besorgt und wĂŒtend angesichts der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Perspektive, die sich uns um uns herum prĂ€sentiert: die Korruption unter Politikern, GeschĂ€ftsleuten und Bankern macht uns hilf- als auch sprachlos. Und diese Situation ist mittlerweile zur NormalitĂ€t geworden – tĂ€gliches Leid, ohne jegliche Hoffnung. Doch wenn wir uns zusammentun, können wir das Ă€ndern. Es ist an der Zeit, Dinge zu verĂ€ndern. Zeit, miteinander eine bessere Gesellschaft aufzubauen. Deswegen treten wir eindringlich hierfĂŒr ein:

● Gleichheit, Fortschritt, SolidaritĂ€t, kulturelle Freiheit, Nachhaltigkeit und Entwicklung, sowie das Wohl und GlĂŒck der Menschen mĂŒssen als PrioritĂ€ten einer jeden modernen Gesellschaft gelten.

(weiter hier: http://www.echte-demokratie-jetzt.de/manifest)

Sevilla: Semana de la Sostenibilidad

Standard

This slideshow requires JavaScript.

Fotostream Reihenfolge:  Aus dem Rahmen fallen in Cadiz (Endlich Festland!) – Gastgeber Pablo in Sevilla (“Titiribici”) – 2x Sevilla Architektur – Sevilla Fahrradstation – SolartĂŒrme – Dokufilmreihe in Sevilla Eröffnungsfilm – Tandem aus England – Sechs Fotos aus der Ausstellung  “40 Lösungen fĂŒr die Bewahrung unserer Lebensgrundlagen” – Birgits “Das Brot”-Laden – Biofriseur umgedeutet – Sevilla Klapp-Radler

In Sevilla konnten wir heute den Beginn der “Semana de la Sostenibilidad” (Woche der Nachhaltigkeit)  erleben. Eine Woche voller Filme, Debatten und Theater. Gleich zu Anfang der erste Höhepunkt: “Taking Root“, eine faszinierende Dokumentation ĂŒber die 2011 verstorbenene erste kenianische FriedensnobelpreistrĂ€gerin Wangari Maathai. Anhand ihres Beispiels fingen zigtausende KleinbĂ€uerinnen an, ihre BĂŒrgerrechte wahrzunehmen, sei es in Form von Akten zivilen Ungehorsams (allen voran der Hungerstreik der MĂŒtter inhaftierter Regimegegner), sei es  in Form von  BĂ€umepflanzen,um die durch Monokulturen von Kaffee und Tee hervorgerufene Erosion des kenianischen Mutterbodens einzudĂ€mmen. So verknĂŒpfte sie Demokratie-, Frauen- und Umweltbewegung in Kenia und leitete so das Ende der Moi-Diktatur ein. 2005 erhielt sie dafĂŒr den Friedensnobelpreis (hier ihre Nobel-Rede).  Deutschlandradio brachte letzten September diesen Nachruf. Noch viel mehr BĂ€ume, und das weltweit,  will der Gast der ersten Debatte heute abend pflanzen. Er ist 13 Jahre alt und heißt Felix Finckbeiner.  Die von ihm angeregte, mittlerweile von Kindern in mehr als 175 LĂ€ndern getragene Initiative heißt “Plant for the Planet” und wird nun auch von der UNO mitgetragen. Ihr “Baum-o-meter” hat gerade 12 Milliarden ĂŒberschritten (!!!), kurz vor dem Zwischenziel von 14 Milliarden.  “Klimagerechtigkeit – jetzt!” und “Genug geredet – pflanzen!”  sind zwei ihrer LeitsĂ€tze. Leider konnten wir nach dem Film die Debatte mit Felix nicht mehr besuchen, weil wir schon bei der nĂ€chsten Couchsurfer-WG in Cordoba angemeldet waren, aber dafĂŒr noch eine Ausstellung im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche besuchen wollten (siehe Fotos).  Acht Kids meiner ehemaligen Schule hatten allerdings schon mal die Gelegenheit an einer Plant for the Planet Akademie im Harz teilzunehmen, wovon sie sehr begeistert und mit der Erfahrung ihres ersten (und bestimmt nicht letzten) BĂ€umepflanzens zurĂŒckgekommen waren. Neben Plant-for-the-Planet  gibt es ĂŒbrigens auch Wikiwoods, die in Deutschland beim Pflanzen sehr aktiv sind, insbesondere in Meckpomm und Berlin-Brandenburg!

Sevilla ansonsten fiel unter ökologischen Aspekten vor allem durch sein florierendes Fahrradleihsystem auf, einige Einkaufskooperativen, mehrere urbane GemeinschaftsgĂ€rten, ein von Slow Food ausgezeichnetes Bio-Restaurant,  das sogar die Gerichte mit den geringsten “food miles” kennzeichnete (also jenen Gerichten, deren Zutaten aus einem maximalen Umkreis von 140km rund um Sevilla stammten), und, natĂŒrlich, die einzigartige BiovollkornbĂ€ckerei von Birgit, so sehr nachgefragt, das den Einheimischen der zwar sehr eingĂ€ngliche aber auch sehr deutsche Name der BĂ€ckerei nichts auszumachen scheint:  “Das Brot”!  (Birgit hatten wir ĂŒbrigens schon auf dem Hinweg in ihrem Wohnort/ihrer Backstube bei Tarifa besucht, es war also ein Wiedersehen!) WeltberĂŒhmt sind die Solarparks rund um Sevilla, weil sie Pioniere in der Solarturm-Technologie sind (siehe Foto). Auch findet  die neugegrĂŒndete Partei “Equo” hier viel UnterstĂŒtzung, was sich schon in den Parlamentswahlen letzten November zeigte und sich nun vielleicht auch in den anstehenden andalusischen Regionalwahlen bestĂ€tigen wird. Die Wahlveranstaltung letzten Donnerstag in der Uni war jedenfalls gut besucht. FahrradstellplĂ€tze sind in der engen historischen Altstadt allerdings rar (von den Radstationen des öffentlichen Leihsystems abgesehen), deshalb fahren viele Bewohner auf KlapprĂ€dern, die sie bequem in die Whg mitnehmen können. So viele KlapprĂ€der auf einmal – ein seltener Anblick!

Die Fahrradbegeisterung Sevillas Ă€ußerte auch ĂŒber unsere Gastgeber: das Tandem Nostrum, aus Sevilla, das seit letzten Februar im Uhrzeigersinn  rund um das Mittelmeer radelt, vermittelte uns den superfreundlichen  “Marionetten-Radler” Pablo, genannt  “Titiribici“, der nach seiner Indonesien-Tour demnĂ€chst auch SĂŒdamerika mit seinem PuppenanhĂ€nger  durchradeln wird! Die Stadt zog neben uns auch ein anderes tourendes Tandem an, auf der Reise von England nach Israel (wo die Mittelmeer-Umquerer Tandem Nostrum gerade in Begriff sind anzukommen ), zufĂ€llig trafen wir uns in der FußgĂ€ngerzone! Sevilla zĂ€hlt zu den wĂ€rmsten und trockensten Orten auf der Halbinsel,  es kam uns  dieser Tage sogar wĂ€rmer vor als die windigen Kanaren. Hier fĂŒhlen sich 20 Grad wirklich als 20 Grad an, und das im Februar 🙂 Von Reisen im Sommer ist fĂŒr Menschen, die auf Hitze zwischen 30-40 Grad empfindlich reagieren, allerdings eher abzuraten (“lebensfeindlich” nannte es ein anderer Radler, “BikeFriday”, den wir letzten September in SĂŒdfrankreich trafen, der uns aus Spanien entgegenkam). Laut unserem Gastgeber Pablo beginne der Sommer hier auch immer frĂŒher, sprich im April oder Mai und ginge in den Oktober hinein. FrĂŒhling (aus einheimischer Perspektive) also Fehlanzeige. Anscheinend haben wir also jetzt die beste Reisezeit erwischt! Auch wenn die Sevilleros halb vermummt daherlaufen haben wir noch mal Sonne getankt und  die arabischen Fassaden und Innenhöfe, die Palmenalleen und PlĂ€tze genossen. Hin und wieder konnten wir sogar Flamenco-Geklacker von TĂ€nzerInnen hören, die draußen trainierten! Unsere nĂ€chste Station ist jetzt Cordoba, anschließend Madrid und San Sebastian. Muchos saludos und bis bald!

La Palma bietet Blicke auf verschiedene Meere …

Standard

Liebe alle!! Wir melden uns zurĂŒck nun schon Ende Januar, mitten in der MandelblĂŒte La Palmas 🙂 Unser Ankommen auf La Palma war frĂŒher als gedacht: schon vor Weihnachten wechselten wir die Inseln, da die Mitarbeit im Rahmen von “wwoofing” flexibler gehandhabt wird, als von uns vorher ertrĂ€umt. So wechselte unser Plan A zu Plan C! Wir lernten, dass freiwilligen Mitarbeitern trotz vereinbarter Arbeitszeit frĂŒhzeitig (der nicht vorhandene Vertrag) gekĂŒndigt werden kann und dass sogar 14 Tage vor Einsatzbeginn eine dreimonatige Zusage gĂ€nzlich abgesagt werden kann. Die GrĂŒnde sind vielschichtig und wohl auch durch die FlexiblitĂ€t Gleichgesinnter entstanden, die von sich aus nicht am Einsatzort erschienen oder frĂŒhzeitiger abreisten. FĂŒr uns selbst bedeutete dies zwischen den Jahren ein Nachdenken, was wir nun selbst von den Kanaren, bzw. La Palma, wollen, wie lange wir selbst uns verpflichtungsfrei hier wohl fĂŒhlen wĂŒrden. Wir entschieden uns fĂŒr Mieten und gegen wwoofen und gleichzeitiger UnabhĂ€ngigkeit von unzuverlĂ€ssigen Arbeitgebern. Dazu kam auch die Akzeptanz, dass selbst ein gut durchgeplantes Sabbatjahr dazu einlĂ€dt, auf erwartetes Eintreffen zu verzichten und sich den örtlichen Gegebenheiten hinzugeben! Somit haben wir uns zunĂ€chst klimatisch mit der Insel auseinander gesetzt: das, was euch

unglaublich vorkommen mag – nĂ€mlich dass wir gerade draußen sitzen können – ist selbst auf dieser Insel mitten im Atlantik keine SelbstverstĂ€ndlichkeit: als wir aus dem teils heißen Valle Gran Rey von Gomera auf La Palma ankamen, lernten wir bei El Paso Fallwinde kennen, die von gut 2000m hohen Felsen die Hochebene hinunterfegten und uns nach Sonnenuntergang gegen 18h in das zugige Holzhaus trieben. Nach ein paar Tagen ließen wir uns  schon leicht verzweifelt die 600m Höhenunterschied nach Tazacorte Puerto auf dem Tandem herunterrollen, um uns an einem der wenigen zugĂ€nglichen StrĂ€nde aufzuwĂ€rmen. Klar war fĂŒr uns, dass wir einen Ort brauchten, frei von Wind und Bananenplantagen (hier werden durchschnittlich 85 Liter pro Hektar gespritzt, noch viermal mehr als in Andalusien, teils mit auf dem Festland schon ausrangierten Mitteln, höchste Krebsrate Spaniens leider genau hier). Wir wurden fĂŒndig im Raum Tijarafe, auf einer Pferdefinca der Schwedin Marie-Luise. Hier mieten wir seit Neujahr ein Zimmerchen mit Anschluss an einen Gemeinschaftsraum, der nach Sonnenuntergang durch die WohnkĂŒche mollig warm ist. (ja es stimmt: hier wird es nachts 3-8 Grad kalt und die wenigsten haben eine Heizung!!) Geteilt wird er mit derzeit 7 Wwoofern aus Irland, Schweden, RumĂ€nien, Frankreich und der Schweiz. Warum auf dem Foto unser Tandem im Auto von den zwei befreundeten Couchsurfern Tanja und Michael zu sehen ist, ist leicht zu beantworten: nach unserer Abfahrt zum Strand, 15 Minuten nur Rollenlassen, haben wir nicht wieder hochgefunden gehabt! La Palma soll schließlich die zweitsteilste Insel der Welt sein, seitdem der vor mehreren Mio. Jahren ausgebrochene Vulkan zum Erkalten kam.

ZurĂŒck geblieben sind nicht ĂŒberquerbare “Barrancos”, spitzzulaufende TĂ€ler, die ausschließlich durchwandert oder ausgefahren werden mĂŒssen. Das Ausfahren bedeutet Haarnadelkurven, Serpentinen und mehrere hundert Höhenmeter. Wir benutzen das Rad also nur noch zur Fahrt in den Bioladen im nĂ€chsten Dorf, Richtung Puntagorda – etwas weniger kurvenreich und nur 100 Höhenmeter! Beeindruckt sind wir natĂŒrlich von dem Nebeneinander dieser Insel: es gibt neben den Gebieten mit den fĂŒr uns eher exotischeren FrĂŒchten wie Physalis, Chirimoyas, Kaktusfeigen, Bananen, Mangos und Guaven auch Regionen, die im Winter so kalt werden, dass dort Kernobst gedeiht. Also auch Äpfel, Birnen oder Pflaumen. So können wir auch immer noch regelmĂ€ĂŸig Mandeln pflĂŒcken und am selben Baum die BlĂŒte bewundern – ja FrĂŒhling mitten im Januar, nur fehlt der Amselgesang 😉 Ohne die BewĂ€sserung der AnwohnerInnen wĂ€re jedoch die herkömmliche Natur – zumindest hier auf der Westseite der Insel – eher von trockenen NadelholzwĂ€ldern, DrachenbĂ€umen und Kakteen geprĂ€gt, die auch gerade am Besten die anhaltende Trockenheit aushalten (fĂŒr uns natĂŒrlich sehr angenehm) fĂŒr die Natur eher zehrend, dass die Wolken leider nur die Sonne verdecken, anstatt endlich abzuregnen! Spanien und die Kanaren erleben gerade einen der trockensten Winter seit Beginn der Aufzeichungen.Das Leben vor Ort ist ansonsten von Spaniern und Spanierinnen, von einigen wenigen Nachkommen der Guanchen und unzĂ€hligen Aussteigern besonders aus Deutschland geprĂ€gt. Zum einen sind dies sonnenhungrige Hippies, die gern das Höhlenleben wiederentdecken (oder in ihren bunten Rainbow-Bussen ĂŒber die Insel fahren) oder aber ruhebedĂŒrftige und freiheitssuchende Menschen, die fern von Verkehr und vielen Nachbarn das kanarische Inselleben fĂŒr sich entdeckt haben. Ein Leben im Kampf um die Einnahmen aus spirituellem Massage-Tourismus und möglichst ökologischer Landwirtschaft. Gut beraten sind diejenigen mit einer handwerklichen Ausbildung: denn fast jeder trĂ€umt hier von der unverwechselbar idyllisch gelegenen Finca im GrĂŒnen! Tanja und Michael bewohnten einige Monate ĂŒbrigens ein uriges Holzhaus, welches lediglich ĂŒber zwei Wanderwege zu erreichen ist, dafĂŒr aber mit Sonnenuntergangs- und Seeblickgarantie!

FĂŒr uns – wer hĂ€tte das gedacht! – geht die La Palma Zeit nun in einer Woche zuende. Wir werden ĂŒber Teneriffa wieder aufs Festland reisen und dann mit dem Zug langsam unsere RĂŒckreise beginnen. Wir sind schon gespannt, was uns alles erwarten wird 🙂

Feliz navidad!

Standard

Hola! Hier ein kurzer Weihnachts-Stern-Gruss von uns! Wir melden uns mal ausfuehrlicher zwischen den Jahren! Fuer den Moment noch drei nett gemachte Links rund um Weihnachten, aus den Weihnachtsmails, die mir in den Briefkasten geflattert sind:  Santa Klaus: Der Karren im Dreck, Bethlehemian Rhapsody, www.co2nachten.net und ein besonders gelungener  Cartoon zum Klimagipfel in Durban. Euch allen die Feiertage, die ihr euch wuenscht!

Bis bald!

Florian und Vera