In dem Land, wo Schafsmilch und Berghonig fliesst

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Na, auch schon mal von nem Schafsbock aus naechster Naehe betrachtet worden ?!🙂 Wir sind seit einigen Tagen mitten in der Hochebene des Baskenlandes und rasten zwischen Spanien- und bevorstehender Frankreich-Durchquerung bei  der alten Couchsurfer-Bekanntschaft Asier in Gorriti. Wir koennen unser Glueck noch gar nicht fassen, wieder in Zentraleuropa zu sein – wir hatten Heimweh nach Weite, nach gefuehlter Unendlichkeit von Land und “echtem Spanien” mit Zuegen! Unsere Zugstrecke Cadiz-Donostia fuehrte uns selig mit allem Gepaeck vorbei an den verschiedensten Landschaften und Ansiedlungen Spaniens. Hier eine von Felsvorspruengen zerklueftete Berglandschaft, am Horizont Schneebedecktes –  dort Ackerlandbau, der schon im Februar gewaessert werden muss. Bis Madrid wurden wir geblendet von tollster Vorfruehlingssonne, ja es gab sogar Laubbaeume, die ihr Laub den gesamten Winter nicht abwerfen … die echte Vitamin-D-Empfehlung nach ein paar Monaten dunklem Winter in Deutschland🙂 Da noch karnevalistische Suedkueste, jetzt gleich steile Nordkueste. Andalusien, vielleicht typisch spanisch oder doch nur von den Mauren wieder zurueck erobert? Das Baskenland kennen bestimmt viele von euch? Ja, leider genau wie Katalunien: annektiert nach erbitterten Kriegen und Terror beider Seiten.  Asier versuchte es noch einmal verstaendlich zu erklaeren: “Stell dir vor, die EU beschliesst, dass nun alle Franzoesisch als erste Sprache haben, Deutsch sprichste nur noch zu Hause” – natuerlich ist das alles schon 1,2 Generationen her und wenn wir in Castellano (abgeleitet von Kastillien) mit den Menschen hier sprechen ist das fuer sie auch voll ok – aber wir wissen alle, dass manche Wunden der Identitaetsberaubung bei manchen schneller heilen als bei anderen. Wieder ein Grund mehr zur Freude, dass wir in Deutschland unsere Sprache beibehalten durften und nicht gezwungen wurden die Besatzungssprache als Erstsprache zu erlernen!

Als wir, angekommen in San Sebastian gleich die Strecke bis Paris ausgedruckt haben wollten, mussten wir jedoch feststellen, dass das europaeische Regionalverkehrsnetz nicht bis in die Computer Spaniens reicht. Ausserdem wurden wir belustigt angeschaut, dass wir uns so viel Zeit genommen hatten und tatsaechlich von Cadiz aus mit den Zuegen der “Media Distancia” gereist waren. Als ich dann ebenso belustigt konterte, dass wir den Hinweg mit dem Tandem gemacht haetten, konnte ich ein Schlucken am anderen Ende des Mikros hoeren😉 Nachdem wir 3 Naechte in Madrid verbracht haben, freuten wir uns natuerlich um so mehr wieder auf die Natur wie oben auf dem Bild ersichtlich! Ich wuerde sagen, dass das hier ein kleines Paradies ist: “die baskischen Alpen” und ein paar Kilometer weiter wartet schon das architektonisch schoene, sowie klimatisch ansprechende San Sebastian mit wellentollen Kuesten, ach, ich komm immer wieder gern her🙂 Warum so zoegerlich mit Madrid? Wahrscheinlich ist es wie mit jeder Hauptstadt: die einen moegen sie, die anderen nicht😉 – klar gibt es tolle Boulevards, bis zu 8 stoeckige Altbauten, die in der Sonne nur so strahlen, alternative Buchlaeden und sogar vegetarische Restaurants mit durchgaeniger Kueche. … aber der Verkehr😦 wir haben immer geschaut, dass wir so schnell wie moeglich an einem Springbrunnen oder Park waren, um in der Sonne zu lesen🙂

Wofuer wir jetzt sonst noch Zeit haben: was uns auffaellt ist unsere Gelassenheit, mit der wir uns durch die Gegend bewegen koennen. Gern mache ich auf der Rolltreppe Platz oder bleibe stehen, wenn eine braun behaarte Raupe den Weg kreuzt! Die Wochen Winterschlaf auf den Kanaren haben ihren Zweck nach gut 5000km Radstrecke erfuellt: wir haben entschleunigt, wir sind hier und jetzt🙂         Somit ist auch fuer alles Zeit, was uns zufaellig begegnet: so fragte mich eine polnische Erasmusstudentin in Madrid, als sie mich auf einer Bank lesend sah, ob ich fuer sie kurz eine Opernkarte kaufen koenne, da die Karten nur auf Personalausweis verkauft wuerden und sie fuer einen Kumpel noch eine Zusaetzliche brauche. In einem Buchladen wartete ich auf Florian, der zu einer Kundgebung unterwegs war (siehe vorheriger Post) und geriet zufaellig in eine Leserunde: da durch die Krise viele Spanierinnen und Spanier gerade nach Deutschland gehen um dort vielleicht Arbeit zu finden, ist das Interesse,

unsere Sprache zu lernen natuerlich auch gewachsen: so sass ich dort mitten in einer kleinen Runde und las 5 Saetze aus meiner aktuellen Lektuere. Einmal auf Hochdeutsch und einmal so richtig schoen “Huesch-Niederrheinisch” … danach wurde befunden, dass ich emotionaler sprach, als ich mich im SingSang erprobte😉 Bei einer kleinen Radtour am Sonntag fiel mir auf einmal ein weinendes Maedchen in den Schoss – ich konnte sie wiegen, bis ihre Mutter auftauchte. Ja, einfach da sein :-) Letzten Freitag kamen wir in die unglaubliche Gemuetlichkeit bei Asier – das schon erwaehnte Dorf Gorriti lag mitten im Nebel und Restschnee🙂 und dies 2 Tage lang (!!) erst am Montag gab der Nebel die atemberaubende Landschaft wieder frei – was wir gestern gleich genutzt haben, um gute 40km bergab nach San Sebastian zu radeln! Voll gut, einfach eine Radtour ohne gross Gepaeck und Anhaenger😉 Morgen packen wir wieder alles zusammen und reisen ueber Bordeaux nach Paris/Montrieul. Wir freuen uns schon !! … neue Bilder in der “Reisegallerie”

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