Sevilla: Semana de la Sostenibilidad

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Fotostream Reihenfolge:  Aus dem Rahmen fallen in Cadiz (Endlich Festland!) – Gastgeber Pablo in Sevilla (“Titiribici”) – 2x Sevilla Architektur – Sevilla Fahrradstation – Solartürme – Dokufilmreihe in Sevilla Eröffnungsfilm – Tandem aus England – Sechs Fotos aus der Ausstellung  “40 Lösungen für die Bewahrung unserer Lebensgrundlagen” – Birgits “Das Brot”-Laden – Biofriseur umgedeutet – Sevilla Klapp-Radler

In Sevilla konnten wir heute den Beginn der “Semana de la Sostenibilidad” (Woche der Nachhaltigkeit)  erleben. Eine Woche voller Filme, Debatten und Theater. Gleich zu Anfang der erste Höhepunkt: “Taking Root“, eine faszinierende Dokumentation über die 2011 verstorbenene erste kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai. Anhand ihres Beispiels fingen zigtausende Kleinbäuerinnen an, ihre Bürgerrechte wahrzunehmen, sei es in Form von Akten zivilen Ungehorsams (allen voran der Hungerstreik der Mütter inhaftierter Regimegegner), sei es  in Form von  Bäumepflanzen,um die durch Monokulturen von Kaffee und Tee hervorgerufene Erosion des kenianischen Mutterbodens einzudämmen. So verknüpfte sie Demokratie-, Frauen- und Umweltbewegung in Kenia und leitete so das Ende der Moi-Diktatur ein. 2005 erhielt sie dafür den Friedensnobelpreis (hier ihre Nobel-Rede).  Deutschlandradio brachte letzten September diesen Nachruf. Noch viel mehr Bäume, und das weltweit,  will der Gast der ersten Debatte heute abend pflanzen. Er ist 13 Jahre alt und heißt Felix Finckbeiner.  Die von ihm angeregte, mittlerweile von Kindern in mehr als 175 Ländern getragene Initiative heißt “Plant for the Planet” und wird nun auch von der UNO mitgetragen. Ihr “Baum-o-meter” hat gerade 12 Milliarden überschritten (!!!), kurz vor dem Zwischenziel von 14 Milliarden.  “Klimagerechtigkeit – jetzt!” und “Genug geredet – pflanzen!”  sind zwei ihrer Leitsätze. Leider konnten wir nach dem Film die Debatte mit Felix nicht mehr besuchen, weil wir schon bei der nächsten Couchsurfer-WG in Cordoba angemeldet waren, aber dafür noch eine Ausstellung im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche besuchen wollten (siehe Fotos).  Acht Kids meiner ehemaligen Schule hatten allerdings schon mal die Gelegenheit an einer Plant for the Planet Akademie im Harz teilzunehmen, wovon sie sehr begeistert und mit der Erfahrung ihres ersten (und bestimmt nicht letzten) Bäumepflanzens zurückgekommen waren. Neben Plant-for-the-Planet  gibt es übrigens auch Wikiwoods, die in Deutschland beim Pflanzen sehr aktiv sind, insbesondere in Meckpomm und Berlin-Brandenburg!

Sevilla ansonsten fiel unter ökologischen Aspekten vor allem durch sein florierendes Fahrradleihsystem auf, einige Einkaufskooperativen, mehrere urbane Gemeinschaftsgärten, ein von Slow Food ausgezeichnetes Bio-Restaurant,  das sogar die Gerichte mit den geringsten “food miles” kennzeichnete (also jenen Gerichten, deren Zutaten aus einem maximalen Umkreis von 140km rund um Sevilla stammten), und, natürlich, die einzigartige Biovollkornbäckerei von Birgit, so sehr nachgefragt, das den Einheimischen der zwar sehr eingängliche aber auch sehr deutsche Name der Bäckerei nichts auszumachen scheint:  “Das Brot”!  (Birgit hatten wir übrigens schon auf dem Hinweg in ihrem Wohnort/ihrer Backstube bei Tarifa besucht, es war also ein Wiedersehen!) Weltberühmt sind die Solarparks rund um Sevilla, weil sie Pioniere in der Solarturm-Technologie sind (siehe Foto). Auch findet  die neugegründete Partei “Equo” hier viel Unterstützung, was sich schon in den Parlamentswahlen letzten November zeigte und sich nun vielleicht auch in den anstehenden andalusischen Regionalwahlen bestätigen wird. Die Wahlveranstaltung letzten Donnerstag in der Uni war jedenfalls gut besucht. Fahrradstellplätze sind in der engen historischen Altstadt allerdings rar (von den Radstationen des öffentlichen Leihsystems abgesehen), deshalb fahren viele Bewohner auf Klapprädern, die sie bequem in die Whg mitnehmen können. So viele Klappräder auf einmal – ein seltener Anblick!

Die Fahrradbegeisterung Sevillas äußerte auch über unsere Gastgeber: das Tandem Nostrum, aus Sevilla, das seit letzten Februar im Uhrzeigersinn  rund um das Mittelmeer radelt, vermittelte uns den superfreundlichen  “Marionetten-Radler” Pablo, genannt  “Titiribici“, der nach seiner Indonesien-Tour demnächst auch Südamerika mit seinem Puppenanhänger  durchradeln wird! Die Stadt zog neben uns auch ein anderes tourendes Tandem an, auf der Reise von England nach Israel (wo die Mittelmeer-Umquerer Tandem Nostrum gerade in Begriff sind anzukommen ), zufällig trafen wir uns in der Fußgängerzone! Sevilla zählt zu den wärmsten und trockensten Orten auf der Halbinsel,  es kam uns  dieser Tage sogar wärmer vor als die windigen Kanaren. Hier fühlen sich 20 Grad wirklich als 20 Grad an, und das im Februar🙂 Von Reisen im Sommer ist für Menschen, die auf Hitze zwischen 30-40 Grad empfindlich reagieren, allerdings eher abzuraten (“lebensfeindlich” nannte es ein anderer Radler, “BikeFriday”, den wir letzten September in Südfrankreich trafen, der uns aus Spanien entgegenkam). Laut unserem Gastgeber Pablo beginne der Sommer hier auch immer früher, sprich im April oder Mai und ginge in den Oktober hinein. Frühling (aus einheimischer Perspektive) also Fehlanzeige. Anscheinend haben wir also jetzt die beste Reisezeit erwischt! Auch wenn die Sevilleros halb vermummt daherlaufen haben wir noch mal Sonne getankt und  die arabischen Fassaden und Innenhöfe, die Palmenalleen und Plätze genossen. Hin und wieder konnten wir sogar Flamenco-Geklacker von TänzerInnen hören, die draußen trainierten! Unsere nächste Station ist jetzt Cordoba, anschließend Madrid und San Sebastian. Muchos saludos und bis bald!

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