“Neulich bin ich mit 120 auf meinem Fahrrad rumgefahrn” …

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… natürlich haben wir in Malaga viel über die nächsten Kilometer gehört und gewarnt wurden wir in den letzten 4800 km vor so manchem Abschnitt. Dass sich aber nun ausgerechnet die Bundesstraße N340, auf der wir immer wieder seit Barcelona radeln, schon vor Marbella in eine 4 spurige Küstenstraße ohne Standstreifen verwandeln würde – das konnten wir uns wirklich nicht vorstellen !! Wir versuchten es erst noch mit Promenaden direkt am Strand und auch mit dem Fußweg … ihr seht Florian auf dem Bild! Nicht dass es nur Laternen waren, die uns beim die Straße begleitenden Fußgängerweg den Weg erschwerten … sie waren auch noch zusätzlich umhölt, sodass wir nach mehrerem Absteigen und erfolglosem “in Wohngebieten Herumirren” ein paar Kilometer freiwillig doch auf der Straße fuhren. Spaß ist aber echt etwas anderes! Als uns im Touribüro erzählt wurde, dass die nächsten 60 km genau dieses weiter bedeuteten, war die Entscheidung gefällt: wir gaben das erste Mal aus Streckengründen auf! Noch waren wir zuversichtlich, dass wir einen Bus bekämen Richtung Algeciras. (Züge fahren hier an der Küste leider nicht) Als die Dame am Schalter unser Tandem und Gepäck sah, wurde sie skeptisch: würde es einen Busfahrer geben, der uns mitnähme? Sie versicherte sich sogar noch bei ihrem Chef. Er – ganz interessiert – meinte “na, wenn das Gepäckfach frei genug ist, kommen sie auf jeden Fall mit” … es war dann aber leider so enttäuschend: 3 Busfahrer mit halb aufgeknöpftem Oberhemd und Fluppe im Mund erzählten etwas von Verantwortung “in letzter Instanz” und nahmen uns nicht mit. Schon etwas entnervt stellten wir uns an die Autobahn (die dort auch noch parallel verläuft) und hofften auf einen Lieferwagen. Als nach 45 Minuten aber leider noch nicht mal ein Esel anhielt😉 gingen wir noch einmal zum Busbahnhof zurück. Der Busfahrer nach Ronda schien offen zu sein. Florian war gleich begeistert. Ich brauchte einen Moment: freiwillig in die Berge fahren? das hatten wir das letzte Mal freiwillig nach Valls gemacht, kurz vor Tarragona !! Von unserem Gastgeber Hans in Malaga hatten wir schließlich auch schon von der “Traumabfahrt” gehört von Ronda in Richtung Küste … also warum nicht ?! Als wir auf gut 700m ankamen, wussten wir, was wir in Deutschland gerade verpassen: echte 10 Grad und karges wunderschön verfärbtes Laub an den Bäumen. Zelten würde also erst mit 2 zusätzlichen Schlafsäcken angenehm werden, also durfte das zweite Hotel herhalten, welches von der Busstation leicht zu erreichen war. Am nächsten Tag dann die “Abfahrt” :

… auch wenn es euch Internetseiten, wie die “bikemap” versprechen, dass es 40km “nur bergab” geht … wartet mit eurer Begeisterung bis ihr wirklich spürt, dass ihr loslassen könnt: denn Ronda-San Roque bedeutete zwar 90km wunderschöne einsame Strecke (echter Vorteil zur Nacional ) vorbei an zerstrubbelten Baumwollfeldern, Stierweiden, weiß getünchten Bergdörfern … dass wir aber völlig erschlagen bei unseren Couchsurfern in San Roque ankamen; könnt ihr euch von ihnen bestätigen lassen😉 Was diesen Tag allerdings wirklich zu einem Gelungenen abrundetet waren mind. 50 gesichtete Storchennester! wir konnten es kaum fassen! auf den Strommasten, auf Flutlichtern, einfach überall entlang unserer letzten Meter vor San Roque nisten Störche, klappern und küssen unaufhörlich, wirklich toll! Nach einer Nacht dann hier gleich neben der größten Ölraffinerie Spaniens machten wir uns an die letzten Kilometerchen nach Tarifa über Algeciras. Dadurch, dass uns die gestrigen 90 km noch in den Muskeln steckten, mühten wir uns fast förmlich jeden Zentimeter die Meeresenge mit Blick auf Gibraltar, Windräder und Nordafrika hinauf. Oben angekommen gab es ein großes Hallo mit einem deutschen Pärchen, die uns fragten, wo wir denn her kämen. Wir so : “aus Hannover” – sie stutzte und meinte: “nee ich mein jetzt von woher mit dem Fahrrad” – wir grinsten zurück: “wir sind in Hannover mit diesem Rad gestartet“. Beide konnten es nicht fassen! Auch von den Kitesurfern, die wir in Tarifa kennen lernten und wo wir unser Tandem netterweise ein paar Tage stehen lassen dürfen, wurden wir sportlich angeschaut! Ja, ihr Lieben, bevor wir uns noch mal kommenden Freitag für die letzte Etappe nach Cadiz an das Tandem wagen, entspannen wir ein paar Tage in Meknes/Marokko bei unserer Freundin Estelle mit Familie🙂 Hier tauchen wir gerade – wie hineingesetzte Figuren – in eine völlig andere Welt zwischen König, liberalem Islam und französisch/spanischem Einfluss mit seltenen Zügen und wilden Taxen ein … aber dazu mehr in ein paar Tagen! – neue Bilder findet ihr in der Gallerie🙂

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