Zwischen Dattelpalmen und rubinroten Granatäpfeln

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Unsere Tour, das Losgezogen sein, bringt uns weiter mit Menschen in Kontakt, die sich von unserem Gefährt und unserem Projekt bis nach Cadiz zu radeln, bezaubern lassen:  so tänzelte der Rentner und Hobby-Rennradfahrer José Luis in Benidorm interessiert um unser bepacktes Tandem herum und offenbarte uns seinen Traum, ebenso unterwegs sein zu wollen. Nach ein paar Minuten Gespräch fragten wir ihn, ob wir eine Dusche bei ihm nehmen könnten: wir hatten ja nach dem Regen noch keinen Couchsurfer ausmachen können. Er überlegte kurz und meinte “Ja, warum nicht!?” als wir bei ihm ankamen, rief er seiner Frau entgegen “ich bring Besuch mit” – sie war gleich interessiert und schlug uns vor auch über Nacht zu bleiben (voll der Wahnsinn, oder?🙂 ) – und was ein Glück, bis Alicante würden wir es heute Abend nicht mehr schaffen, dafür waren wir in Altea zu lange wegen der Rückbremse aufgehalten worden. – Wirklich schade ist, dass unsere Hydraulik-Bremsen in Spanien kaum verwendet werden und die Läden mehrere Tage im Vorraus Ersatzteile bestellen müssen. Nun haben wir eine herkömmliche Bremse bekommen, die uns die nächsten Abfahrten hoffentlich treu begleiten wird, denn einige Bergketten erwarten uns noch! Der Weg von Benidorm Richtung Alicante war übrigens mit langen, abfallenden Geraden (und furchtbaren – zum Teil unfertigen – Hotelburgen) ausgestattet. Beide gaben wir alle Energie um die nächste Steigung leichter zu nehmen und endlich war die Straße schnurgerade – und nicht länger mit Gegenverkehr und engen rechten Kurven ausgelegt !! Die Natur, abgesehen von kultivierten Gebieten, wird immer trockener – um so verwunderter waren wir über die begrünten Straßenbahnschienen in Alicante: ein Golfplatz-Luxus fürs Auge der Innenstadtbewohner !!

Was uns sehr berührt sind die Geschichten rund um das spanische Trauma des “Guerra Civil“, der von 1936 bis 1939 andauerte. Die anschließende Francodiktatur ging ja bis weit in die 70 ziger Jahre … kann sich das unsere Generation eigentlich vorstellen frage ich mich? Wir hörten von Familien in Valencia; da kämpfte der Vater gegen den Sohn oder der Onkel gegen den Cousin – manche Familien redeten also 50 Jahre nicht miteinander. Einer von Jose Luis´ Brüdern floh als Kommunist vor seinem von Franco begeisterten Vater 19 Jahre nach Teneriffa.  Wir hören immer wieder betroffen zu!

Erwähnten wir eigentlich schon, dass, seitdem wir unser Tandem in Berlin gebraucht gekauft haben, mittlerweile alles außer dem Rahmen und dem Tretlager von uns gewechselt wurde ?!? Mehr Glück hatten wir aber mit unseren Nachtlagern in den letzten drei Tagen! In Elche nahm sich der Couchsurfer Alvaro unser an, und in Torrevieja sind wir gerade beim Warmshowerer José! Wofür wir darüber hinaus dankbar sind, sind unerwartete Geschenke, die uns den Tag versüßen: somit bekamen wir in einem Veganladen in Valencia einen 5% Rabatt auf den Einkauf, weil wir den gesamten Weg geradelt sind; ebenso eine Flasche Rotwein von Cilas in Rojales Bioladen “Biotopia” (Florian wird noch einen Bildband von allen fotografierten Bioläden herausgeben😉 In zwei Restaurants wurde uns obendrein der Nachtisch geschenkt:  in einem vegetarischen Biorestaurant in Valencia mit der Begründung “weil ihr echte Ökos seid”😉 und in einem Straßenrestaurant, weil der Kellner selbst den Jakobsweg gelaufen ist und sich so richtig vorstellen konnte, wie es uns gerade geht🙂 Saisonal und regional sind hier jetzt leckere Mandarinen, Datteln, Weintrauben, Mandeln, Algarobas (Charobs) und richtig reife Granatäpfel! Eigentlich müssten wir uns nur auf den Rücken legen und warten, welche Frucht uns zuerst entgegen fällt. Wobei der Pestizideinsatz auf den Plantagen zu den höchsten Europas zählt. Einzeln stehende, verwaiste aber noch tragende Bäume und Palmen freuen uns darum umso mehr, ebenso wie Menschen wie Ciles, der im Zentrum eines kleinen Örtchen wie Rojales mit seinem auch Früchte und Gemüse führenden (!) Bioladen die Konkurrenz zu den im halburbanen Niemandsland angesiedelten “Megasuperhypermärkten” (das Wort hat Florian erfunden) wie Carrefour oder Lidl aufnimmt.

….was uns auch sehr dankbar stimmte, war als Florian den 12. !!! Flicken auf das rechte Hinterrad des Anhängers klebte. Er hatte keine Kraft mehr in den Händen um den Mantel wieder aufzuziehen – sagen wir 3 Momente später kamen 6 englische pensonierte Männer auf uns zu, brachten das Rad in Ordnung und hatten sogar noch einen Routentipp – danach trafen wir über eine Stunde keine weiteren Radler (…. “es müssen nicht  Männer mit Flügeln sein” )🙂

Wir werden uns weiterhin den zig Kilometern widmen, sie haben es einfach verdient😉 und Spanien ist wirklich viel “länger und breiter” als ausgemalt, beim Planen dachten wir, dass wir von den Pyrenäen bis nach Gibraltar nur einen Monat bräuchten !! … neue Bilder in der Gallerie

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