Strandkunst

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Strandkunst

Heute geht es um so verschiedene Dinge wie einen Olivenhain, einen Tomatenexpress, eine Geröllpiste mit Ausblick, um Rosa und ihren Bioladen, um Kunst, Möwen und Segelboote. Hier ist der Zusammenhang: Nicht nur bekamen wir letzten Montag unsere Vorderrad-Acht in Amposta (Ebro-Delta) von einem sehr gesprächigen Fahrradhändler gerichtet, nein, er wollte uns auch seinen Olivenhain vermachen. Wir versprachen ihm, sein Angebot an unsere Freunde in Barcelona weiterzuleiten. Seine Warnung, die folgenden 150km auf der für LKWs mautfreien Nationalstraße nach Valencia seien die meistbefahrensten in ganz Spanien – Stichwort Tomaten aus Alméria, der sogenannte “Tomatenexpress”, alles auf der Straße, kaum Güterverkehr auf der Schiene – diese Warnung nahmen wir sehr ernst, nachdem wir die Tage zuvor hin und wieder sehr stressige Abschnitte zu befahren hatten, mit regelrechten LKW-Kolonnen in beiden Richtungen. Eine Alternative wusste uns dann das Touribüro anzubieten, allerdings sei der 30km lange Weg, direkt an der Küste, eher für Mountainbikes geeignet. Trotzdem, besser als die Laster. Die anschließenden 3h waren landschaftlich gesehen mit die schönsten bislang, allerdings auch mit die anstrengendsten. Die zahlreichen MTB-Fahrer haben uns immer wieder angefeuert. Einen besseren Eindruck geben wohl die Fotos🙂 Stück für Stück ergaben sich auch nach den 30km immer wieder lokale Straßen, diesmal asphaltiert, so dass wir keine weiteren traumatischen LKW-Erlebnisse mehr zu verzeichnen hatten. Sogar ein wunderschöner Übernachtungsplatz kam am Ende der Geröllpiste heraus, inklusive eines beeindruckenden Kunstwerks am Strand (siehe das Foto hier im Post). Oder war es eher ein Mahnmal? Jedenfalls erinnerte es uns daran, wieviel Plastik und sonstiger Müll doch tatsächlich im Meer landet. Angeblich durchschnittlich jede zweite Plastiktüte!

Meine ehemaligen Schüler fanden dazu immer diese Comic-Animation sehr eindrücklich (“Qualle tanzt mit Plastiktüte” ab Minute 6:45) oder auch dieses Bild von dem Seevogel mit Plastikteilchen im Magen (Foto von NGO Earth First). Nichtsdestotrotz vergeben hier in Spanien die Händler an den Marktständen Plastiktüten als gäbe es kein Morgen! “Una bolsa?” Ein Tütchen? Oft wird gar nicht erst gefragt. Einer meine ersten Spanischbrocken: “No quiero una bolsa!” Wasser gibt es auch nur in den Bioläden in Glasflaschen (und dort auch nicht immer, und: Pfand, was ist das?).  Gesundheitlich beschäftigt uns dabei für alle Lebewesen auch das Thema Unfruchtbarkeit durch Plastik wegen hormoneller Reaktionen auf Wasser, was dazu geführt hat, dass wir mit Glasflaschen durch die Gegend radeln (Rekord war 7, inklusive Holundersirup, Öl und Essig😉 Frankreich und Italien haben übrigens Plastiktüten verboten, offiziell zumindest! Und sogar die EU hat festgestellt, dass pro Jahr pro EU-BürgerIn der Verbrauch von 500 Plastiktüten einfach zu viel ist! Um gute Ideen aus einer Menge von Beiträgen zu sammeln (heißt das nicht neudeutsch “crowdsourcing”?) hat die EU-Kommission bis Ende August eine öffentliche Umfrage ins Netz gestellt gehabt, wo Ideen zusammengetragen werden konnten, wie diese Zahl reduziert werden kann. Ob das Ohmchen, das wir neulich im Vorbeifahren sahen, wie es mit seinem eigenen Korb zum Markt einkaufen ging, ihre Idee dorthin gemailt hat, bleibt zu bezweifeln, war aber schön anzusehen (leider kein Foto gemacht). Auch der Dromedar-Clip aus der oben erwähnten Comic-Reihe macht aus dem Beispiel der älteren Frau auf dem Weg zum Markt einen witzigen Beitrag, schaut mal rein!

Unser Zeltplatz an dem Tag war dann so “traumhaft” dicht am Wasser, dass wir vor lauter Wellenrauschen ab 5 Uhr nicht mehr schlafen konnten. Das wiederum hatte auch sein Gutes: wir brachen um 6 Uhr auf, um die restlichen 120km nach Valencia zu erradeln (mit einem Zwischenstop in Rosas Bioladen in Castelló, siehe Foto in der Gallerie). Dort, in Valencia, wartete schließlich die Amaris auf uns, das zu renovierende Segelboot von Anja und Gandalf, inklusive warmer Duschen im Hafen! Anja und Gandalf hatten wir an unserem dritten Reisetag, also am 3.August, bei Göttingen getroffen. Sie waren auch auf dem Tandem nach Spanien unterwegs, allerdings auf einer anderen Route und streckenweise mit Zug. 8h saßen wir dann also am Mittwoch auf dem Sattel und wurden mit einem leckeren Abendessen auf dem Segelboot belohnt. Nächstes Frühjahr brechen die beiden nach Südamerika auf – eigentlich eine klasse Mitsegelgelegenheit! Vielleicht sehen wir sie auf den Kanaren noch einmal!

Unser nächstes Ziel: Alicante und – hoffentlich klappt es – ein Wwoofing-Hof dort in der Nähe. Morgen wird auch wieder das Tandem-Hinterrad zentriert sein (letzten Sonntag war es das Vorderrad) – als Ersatzfahrzeug kam ich heute in den Genuss dieses Velocipedos (siehe Foto unten)! Das zweite Mal auf dieser Tour, denn in Freiburg (Foto in der Gallery weiter unten) durfte ich ja mal ein paar Meter in der Fußgängerzone auf einer noch historischeren Version fahren. Dieses hier ist weniger hoch, stabiler, mit Luft statt nur Gummi in den Reifen und lässt sich somit sogar für längere Strecken nutzen!🙂 Ohne Schutzblech wirst du allerdings nass. Ja, nass! Denn nach drei Monaten Regenpause kommt es jetzt hier zur Freude aller richtig gut runter. Ob die Flüsse deswegen wieder Wasser führen, werden wir bei der Weiterreise sehen. Die Grundwasservorräte werden jedenfalls erstmal ein wenig aufgefüllt. Wie fühlt sich das Wetter in Deutschland so an? Die bunten Veränderungen des nordeuropäischen Herbstes bekommen wir hier nur durch heimische Bäume wie Pappeln mit – die Palmen bleiben grün🙂 Harren die Zeltenden in Frankfurt vor der EZB noch aus? Morgen, am Samstag, soll ja wieder deutschlandweit und in den USA für die Vermögenssteuer oder “Robin Hood”-Tax demonstriert werden (ehemals Tobin-Tax, Obama nennt sie scheintbar “Warren Buffet-Tax”), im Vorfeld zur G20 Tagung in Cannes nächste Woche, ein ständiger Link dazu rechts bei uns im Balken.

http://es.wikipedia.org/wiki/Veloc%C3%ADpedo

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