El retorno de campesinos (y des indignados)

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El retorno de campesinos (y des indignados)

Menschenleer ist es in den Straßen der Dörfern in der Baix Empordà, dem Inland zwischen Barcelona und der französischen Grenze, wenn der Nordwind “Transmontana” mit 100km/h durchbraust. Vor einem unscheinbaren Haus warten wir darauf, dass sich hier die Leute von Vitri befinden, einem der ältesten biologisch arbeitenden Gemüsebetriebe im Norden von Katalunya. Und tatsächlich: jemand an der Sprechanlage macht uns auf und hinter der Tür endlich mal Windstille. Und noch mehr als das: dort eröffnet sich ein Lager mit Regalen voller Brotaufstriche, Säften, eingemachten Bohnensorten, Suppen im Glas, Olivenöl – alles fertig, um in einige Bioläden in Barcelona gebracht zu werden.  Endlich kann unsere fast leere rechte Satteltasche (das ist die mit dem Essen) aufgefüllt werden. Dass Mehr an Gewicht ist an diesem Tag kein Problem, denn der Wind begleitet uns Richtung Süden vom Rücken her! 40km/h auf grader Strecke mit Anhänger ist für uns Rekord! Die Kommunikation wurde übrigens sehr erleichtert dadurch, dass sich Vera hier in Spanien nun endlich wie ein Fisch im Wasser fühlt und für eine Einheimische gehalten würde, wenn sie auch noch Catalan könnte😉

So wurden wir fast bis in die Collserola getragen, in die Berge (es war wirklich sehr herausfordernd!! die Leute klatschen, wenn sie uns die Bergstraßen hochfahren sahen, zwei hielten extra für ein Foto an🙂 ) über Barcelona. Unterwegs trafen wir gleich mehrere Menschen, die von der Stadt aufs Land übergesiedelt sind, um Ökolandbau zu betreiben: Oriol – Teilzeit-Sozialarbeiter, neuerdings auch Teilzeit-Weizenanbauer – lud uns auf sein Land ein, als wir in der Abendsonne an einem recht städtischen Strand saßen und uns gerade fragten, ob hier wohl die Guardia Civil abends kontrolliere. Von seinem Stück Land aus konnten wir wieder einmal (die immer ein wenig später) aufgehende Sonne sich aus dem Meer schälen sehen. Beeindruckend wie einfach und “klar” Oriol im oberen Teil seiner ausgebauten Scheune lebte. Reich beschenkt mit frischgeernteten Mandeln (unserer Nervennahrung), Wirsing, Salat, Tomaten, Blumenkohl und der Adresse seines Cousins radelten wir am nächsten Tag weiter. Sein Cousin Nacho, zwei Fahrradstunden die Küste entlang Richtung Barcelona, war ehemals Computeringenieur (ähnlich wie Irek und Aleks bei Perpignan). Innerhalb von drei Jahren ist er zu einem der Vorreiter im biodynamischen Anbau in Spanien geworden, hat einen kleinen Lieferservice in Barcelona aufgebaut, engagiert sich im Netzwerk der Biodynamica Mediterranea etc. etc. Besonders schön anzusehen die schwimmenden Salatpflanzen-Setzlings-Inseln im hauseigenen Brunnen! Beide wunderten sich über den ungewöhnlich heißen Herbst, den Spanien gerade durchmache, außerdem habe es seit 2 Monaten nur 2 Tage Regen gegeben! Keine einfache Bedingungen also, aber mit ausgeklügelten Bewässerungssystemen machbar. “El retorno de campesinos“, das ist nicht nur ein neues Buch von einer Professorin für “agroecologia” in Cordoba, sondern das ist auch ganz konkret Oriol oder sein Cousin Nacho, die die kleinbäuerliche Landwirtschaft wiederbeleben und zusammenbringen wollen mit kleinen Einkaufsgemeinschaften aus der Stadt. Catalunya zeigt sich auch ansonsten von seiner sehr ansprechenden Seite: Vera wird im Touristenbüro gern mal im Eifer des Gesprächs am Arm gestreift oder wir wurden von drei Anglern mitten an der Costa Brava schon im Dunkelwerden zum Abendessen eingeladen! und die Menschen werden immer begeisterter, wenn wir ihnen erzählen, dass wir wirklich in Hannover gestartet sind🙂

Drei “grupos de consumos” aus Barcelona, wo wir vorgestern Abend (10.10.) angekommen sind, haben wir heute mit selbstgebackenen Brot beliefert. 50 Stück. Den Vormittag über geknetet und ruhen gelassen, geknetet und ruhen gelassen, schließlich den Holzofen vorgeheizt bis dass die Steine von innen weiß waren, jedes Brot einzeln hineingeschoben und abgewartet. Die Hausgemeinschaft Can Pasqual, wunderschön hoch oben im Naturpark “Collserola” gelegen, ist spezialisiert auf das Brotbacken. Und auf das Soziale Zentrum, das sie betreiben, sprich Bibliothek, Filmabende, gelegentlich Workshops für Trockentoilletten-Bau oder für echte Selbstversorgung mit Solar und Wind (der Strom jetzt gerade für das Netbook kommt direkt von der Windkraftanlage bzw. von den Solarpanelen, das Warmwasser beim Duschen von Solarthermie – du lebst hier also sehr mit dem jeweiligen Wetter🙂 Aber im Vordergrund steht hier das wöchentliche Brotbacken, Mittwoch abends 50 und Donnerstag vormittags 50 Brote. Sehr nett auch, wie wir hier aufgenommen worden sind. Die Anfahrt war zwar sehr beschwerlich – wir mussten abends am Straßenrand “notcampen”, weil wir weitere 4km bergauf nicht mehr packten – aber erstmal hier oben angekommen ist es alle Mühe wert! (Außerdem hatten wir an unserem “Notcamping”-Platz am Straßenrand die Stadt unter uns und  wurden durch einen spektakulären Sonnenaufgang entschädigt.) Endlich auch Wäsche waschen! Und Fahrradschläuche flicken (fast jeder hat ein Mini-Loch), Bremsbacken erneuern, Kette ölen… Die Stadt selber wird uns wohl erst am Freitag sehen, so entspannend ist es hier oben. Am Samstag sind dann die landes-/europa-/weltweiten Bürgerproteste angesagt: wir sind sehr gespannt, wie das hier BCN mit den “Indignados” sein wird. Im Radio wird schon laufend berichtet, die Zeitungen sind voll davon, die neue US-Bürgerbewegung “Occupy Wall Street” ist in aller Munde (Motto: “Wir sind die 99%”), die Studentenproteste in Chile (Mitbewohner hier im Haus sind aus Chile), “les Indignées” aus Frankreich, die Zeltenden in Tel Aviv. In Deutschland koordiniert u.a. Attac am kommenden Samstag. Die Einführung einer Finanztransaktionssteuer (steckt ja schließlich  im Namen von Attac), ist ja nun nach zahlreichen Ankündigungen endlich durch Barroso in die EU-Kommission eingebracht worden und wäre tatsächlich einmal ein kleiner Erfolg. Oder wenn sich noch viel mehr Menschen der “Krötenwanderung“, weg von den großen internationalen Banken hin zu kleinen Genossenschaftsbanken anschließen würden. Aber es geht letzten Endes darum, die gesamte politische Kultur in Richtung mehr Verantwortung und Transparenz zu verändern! Die kleine Schrift von Stéphane Hessel (93 Jahre), “Empört euch“, ist nicht umsonst zum Bestseller nicht nur bei spanischen Jugendlichen geworden. Das Twitter Schlagwort für Samstag lautet übrigens – bloß nicht untertreiben – #globalchange. Wir werden über den Samstag im nächsten Post berichten! Hier ein Vorbericht der ARD. Und neue Bilder in der Galerie, z.B. dieses hier vom Sonnenaufgang auf der Collserola, über Barcelona und dem Meer:

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