8 Wochen unterwegs in den Süden :-)

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Es ist einige Zeit den Rhein hinuntergeflossen, ja die Hälfte schon bevor wir die Fähre zu den Kanaren nehmen – 8 Wochen on the road !!

Wir haben erlebt wie spannend und erquicklich das Neue ist, was entspringt, wenn wir den Mut haben das Jetzt fließen zu lassen. Da ein Atemzug Lachen, ein Gefühl von Zufriedenheit auch wenn es stockt – manchmal unerwartet; geht es doch immer weiter. Wenn die Zunge trocken am Gaumen klebt, wenn die Pedale am Schienbein schmerzt, die Kette abgesprungen ist, die kalkulierte Strecke einfach nicht schaffbar, da der Fahrradweg wieder im Nichts endete. Dann kommt genauso unplanbar ein Moment innerer Freude: wie vor ein paar Tagen, als wir uns mit gestauten Autos eine viel zu eng gebaute Brücke hochpedalten: ein VW Bus mit Berliner Kennzeichen. Spontan entfährt mir ein herzliches „Beeerliiin“ und ich fühl mich selig🙂 oder auch wenn uns entgegen kommende Züge oder LKWs (also nicht solche, die uns von hinten überholen) grüßend anhupen; dann fühlt sich das an wie in Kindertagen, als wir zu mehreren auf Autobahnbrücken im Ruhrgebiet standen; winkten und mit offenen Mündern 15 verschiedene Lichthupen erhaschten oder ein Motorradfahrer kurz freihändig für uns fuhr🙂 ja eben auch heute noch und morgen immer wieder im Kontakt sein mit dem „inneren Kind“ und sich am Leben erfreuen🙂

Angekommen sind wir in Vauvert südlich von Nimes bei Avignon, nehmen uns einen Moment bei einer wunderbar unkomplizierten Familie auf dem Lande mit ihren drei Kindern. Wir sind bei Bruno und Anne mit Justin, Paul und Remis! Wir lernen voneinander: wir sehen wie sie mit den Kindern umgehen (sie unterrichten ihre Kinder zu Hause, haben ein Kompostklo und bauen Solarkocher) und die Kinder lernen Menschen wie uns kennen, die durch Europa mit dem Tandem gondeln. Anne meint dazu “du lernst das, was du kennen lernst, du wirst zu dem du dich selbst entscheidest, nachdem du möglichst viel kennen gelernt hast – wie schön dass ihr hier seid, so wie ihr seid”. Perspektivwechsel und Horizonterweiterung also zugleich🙂 stellt euch vor, sie haben einen riesen Hund, der viel lieber mit Menschen kuschelt als Stöckchen holt und dabei unaufhörlich an unserer salzigen Haut herumschleckern will😉

Seit Montag ging unsere Strecke von Lyon über Valence und Montlimart. In Valence durften wir bei der 4 köpfigen „Warmshowerer Familie“ von Olivier und Charlotte sein. Hier konnten wir sehen, wie zwei Menschen seit Monaten daran arbeiten ihr Haus noch vor dem Winter zu isolieren! vielen vielen Dank auch für eure Gastfreundschaft!!

Hier im Süden ist es wieder unfassbar warm, die Menschen sprechen “plain” als “plang” aus, haben damit eine erstaunlich gute deutsche Aussprache beim Nachsprechen und es riecht nach angegorenen Weintrauben in den an unseren Weg angerenzenden Domänen, wie die Winzer hier ihre Häuser nennen – und wir brauchten immer wieder neues Wasser. Florian bat eine Dame am Fenster um das Auffüllen einer unserer Flaschen mit Krahnwasser. Als sie nach einem Moment zurück kam, schwenkte sie eine frische Flasche Wasser – einfach so uns geschenkt🙂 oder: bevor wir Brunos Haus fanden (es dämmerte schon) half uns einer seiner vorbei joggenden Nachbarn das Haus zu suchen; er war sogar bereit mit seinem Auto die Gegend abzufahren, damit wir sicher ankamen. Wir sind für so viel Herzlichkeit sehr dankbar!

  • …wenn ich gerade den Papstbesuch in Deutschland mitbekomme und höre, wie über die Bedeutung von Religiosität für Jugendliche, bzw. die katholische Antwort von PolitikerInnen auf heutige Unsicherheiten von Gesellschaft bewertet wird, fühle ich mich an meine Diplomarbeit erinnert. (bzw. nehmt mir bitte nicht krumm, dass ich als Protestantin einem menschlichen Stellvertreter Jesu auf Erden einfach so gar nüscht abgewinnen kann) … Was versteht ihr unter Unsicherheiten? Geht es dabei wirklich um real erlebbare Renten oder um instabile Beziehungen? Um fehlende materielle Sicherheit? um den vom Menschen zu verantwortenden Klimawandel und die Ohnmacht vor zu Ende gehendem Öl?

Sind wir dann weniger wir selbst?

Sind wir dann weniger Mensch?

Haben wir dann weniger Sinn für Kultur, für das Nähren unserer eigenen Entwicklung?

Soll diese globalisierte Unsicherheit wirklich das sein, was uns dann am Ende in eine konservative und angstbesetzte Weltsicht treibt, die kreative und alternative Ansätze ablehnt?? Wogegen ich mich explizit wehren möchte ist die Propaganda von Unsicherheit, die uns ohnmächtig erfasst. Denn wir können uns für so vieles einsetzen, uns nachhaltig vernetzen und unterstützen !!  So ist es doch immer noch ein Wunder, wenn wir mit unserer PACE – Fahne durch Frankreich fahren und wir als Deutsche freundlich aufgenommen werden. Wenn der europäische Frieden aber erhalten werden soll, dann brauchen unsere Jugendlichen von heute definitiv mehr als sie unterstützenden Weihrauch, der sie in einen kurzen Rausch von Behaglichkeit versetzt – denn der Glaube kann bei allem nur begleitend beruhigen und stärken – nicht aber vernünftige Ausbildungsplätze, ungestresste LehrerInnen sowie SozialarbeiterInnen als auch Eltern mit ein bisschen Zeit – ersetzen, die in Lohnverhältnissen stehen müssen, die eine Familie ernähren lässt. Es geht also grundsätzlich (und das hatte sich vor Marx leider auch noch nicht geändert) weiter um die Verteilung von „oben nach unten“. Und damit ist die Politik herausgefordert gewinnmaximierenden Unternehmen höhere Abgaben abzufordern und Menschen, die mehr als genug haben zur Kasse zu bitten … es braucht täglich neue Vorbilder, die uns zeigen, dass Tore, die im Nichts stehen uns nur auf den ersten Blick den Weg verstellen oder eben an kleinen Stellen durchlässig sind !!

Noch mal zu uns:

Mir geht es jetzt im Moment des schon etwas länger unterwegs Seins derzeit um das Gefühl, worauf es für mich selbst ankommt; das Bedürfnis nach einem schönen eigenen zu Hause wird spürbar, dazu nette Menschen mit denen ich spannende Dinge umsetzen möchte🙂 Bis es wieder so ist und bevor wir ein paar Monate Ähnliches auf den Kanaren erleben – ist die Notwendigkeit des sicheren Bodens unter den Füßen von Zeit zu Zeit immer unabdingbarer. So kann eine solche Reise durchaus mit einem Jetlag eines ICE Pendlers gleich gesetzt werden, der an allem vorbeirauscht und immer wieder in anderen Hotelbetten schläft. Frei zu sein auf dem Rad ist dabei im Gegensatz ein wunderbares Gefühl und unlängs langsamer. Und dennoch stellt sich auch beim Radeln die Frage des wohlterminierten Zeitmanagements😉 denn um 20h ist es ja jetzt bereits schon dunkel und ein Zeltplatz mitten in der Nacht lässt sich nicht ganz so einfach finden😉 Gleichzeitig geben mir Ausstellungen wie die Biennale in Lyon Kultur für mein Inneres: ausgerechnet hier wurde ich auf Französisch zu der Frage interviewt, ob ich die Ausstellung für Kunst halten würde. Ihr könnt euch vorstellen, was das für eine nach beschreibenden Ausdrücken suchende ausschweifende Antwort gab😉 …   im Vergleich dazu ebenso unterstützend wie auch belebend war die Mitarbeit im Weinberg wie im letzten Beitrag beschrieben: das Erfolgserlebnis ist perfekt! die reife Rebe abschneiden, in den Korb fallen lassen und den Blick über die sich vor uns erstreckende Ardeche gleiten lassen. Das beflügelnde Gefühl jetzt als Geschenk, wir kommen zur Ernte, die Vorarbeit ist gemacht. Projekte von vornherein mit entwickeln und gestalten … das kann noch etwas warten🙂

Gestern beim Klimaaktionstag war Florian fröhlich bei einer großen Menschenkette für erneuerbare Energien in Avignon beteiligt! Auch in Frankreich regt sich langsam der Protest gegen eine Technologie, die von Abbau über Anreicherung bis Zwischenlagerung Menschenleben kostet. Dabei macht es Spaß mit unserer französischen “Ausstiegsfahne” in Kleinstädtchen zu halten. Immer wieder lesen vorbei laufende Schulkinder die Aufschrift, heben ihren Daumen und rufen “Je suis bien d´accord”🙂

Wünscht uns weiter Rückenwind! Damit reist es sich am allerleichtesten🙂 der Fahrtwind, sprich Gegenwind und Rückenwind gleichen sich aus und es fühlt sich an als schwebten wir im luftleeren Raum … Thomas D. von den Fantastischen Viern hat sich selbst auch schon auf Reise begeben und dieses Lied dazu gedichtet: @ Dörte es war ein fantastisches Konzert mit dir in Hannover🙂

…. neue Bilder in der Gallerie!

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