Was ist ein AMAP? Weinlese-Woofing

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Die AMAPs, das sind jene (Bio-)Einkaufsgemeinschaften, die sich zu einem großen Trend in Frankreich entwickelt haben. In fast jeder größeren Stadt gibt es welche, im Netz sind sie schon nach Départments gelistet, inklusive Übersichtskarte und allem drum und dran! Vergleichbar mit den Gemüsekisten-Abos in Deutschland, den Projekten Solidarischer Landwirtschaft (z.B. der Buschberghof bei Hamburg) oder solchen Gartencoops wie wir sie zuletzt im Freiburger Umland gesehen haben  ist die Idee im Grunde ganz einfach: Ein Hof – oder mehrere – produziert nichts mehr für den Supermarkt oder Großhandel, sondern nur noch für eine feste Gruppe von privaten Abnehmerinnen, die eine monatliche Pauschale bezahlen. Der englische Ausdruck Community Supported Agriculture (CSA) trifft es gut: kleinbäuerliche Landwirtschaft unterstützt von einer Gemeinschaft. Einmal die Woche werden alle Lebensmittel zu einem Ort in der Stadt gefahren, wo sie von den Abnehmerinnen abgeholt werden. Et voìla!  Alle, die letztes Jahr bei der Premiere des Films von Colline Serreau “Good Food Bad Food” dabei waren, werden sich an das dort portraitierte AMAP erinnern (franz. “Solution Locales Pour Un Désordre Global”). Allein das Viertel von Lyon, in dem wir bei Jeanne gewohnt haben – Veras französischer Freundin aus Kreuzberger WG-Zeiten – hatte drei AMAPs! Gut, dieses Viertel, Croix-Rousse, erinnerte auch ein wenig an Kreuzberg auf französisch – davon zeugten u.a. auch die drei Biobäckereien, der Biomarkt am Samstag und das wunderschöne Nachbarschaftsfest, das wir erleben durften (siehe Fotos)!

Fast hätten wir unsere späteren Weinbauer-Gastgeber Yves und Zabou auch schon auf dem Markt am Samstag kennengelernt, wären wir rechtzeitig dort gewesen😉 So ergab es sich per Zufall, dass wir sie im Netz fanden und sie uns anboten, einen Vormittag bei der Bioweinernte 70km südlich von Lyon zu helfen, über dem Rhônetal malerisch in der Ardèche gelegen, quasi als Mini-Woofing! Eine tolle  Erfahrung mit (in dieser Region) echten Ökolandbau-Pionieren und ihrer ganzen Familie! Das AMAP, das sie mit Obst beliefern, liegt in Grénoble, 2h entfernt. In Sichtweite der Ferme fanden sich auch die seit längerem ersten Windräder – wir hatten übrigens zum ersten Mal Rückenwind! – passende Kontrapunkte zu den drei Atomanlagen entlang des Flusses. Und es sollen nach Süden, wo der Mistral weht, noch mehr werden! Interessante Höhlenmalereien fanden sich auch in der Gegend😉

Für uns geht es jetzt noch weiter in den “Midi”, in den Süden. 2345km zeigte uns gestern der Tacho. Und auch das Thermometer klettert wieder nach oben, Richtung 30 Grad! Meer – wir kommen! Unsere Gastgeber hier in Valence, gestern, am Tag nach der Weinlese, Olivier und Charlotte, haben uns nochmal mit guten Routentipps ausgestattet (und einer Karte!). Beide haben mit ihrem Tandem und den beiden Kindern letztes Jahr eine Europaradtour gemacht und sind gerade dabei, ihr Häuschen selbst zu renovieren. Als sie dann auch noch unsere “La Décroissance“-Zeitung sahen, hieß es nur: Willkommen in der Familie! Schön, so aufgenommen zu werden!

2 responses »

  1. Hallo,
    ich habe noch eine Frage zum System, welches ich noch nicht ganz durchleuchtet habe.
    In der Doku “Good Food Bad Food” ist, wie du schons agtest, eins dieser AMAP zu sehen und es wir erklärt, trotzdem noch meine Frage: Es heißt, es wird bevor überhaupt etwas angebaut wird, eine BIlanz vorgestellt (in der Doku 70.000€) und dann wird produziert.
    Wenn die Menschen das Gemüse und das Obst einmal pro Woche abholen, müssen sie es dann nochmal bezahlen?
    Viele Grüße Rob

    • Hallo Rob – endlich kann ich dir antworten, denn letzte Woche in Bordeaux haben wir mal auf der anderen Seite eines AMAP gestanden, nämlich auf der des Konsumenten! (Letzten Herbst, bei der Weinlese, das waren ja die Produzenten.) Also: Guillaume und Helene sowie die restlichen ca. 20 Leute ihres AMAP haben mit dem Gemüsebauern für 50 Wochen im Jahr eine Pauschale von 15 EUR abgemacht. Sie zahlen also 750 EUR für das Jahr. Dafür können sie jede Woche einmal zu dem vereinbarten Ort in der Stadt gehen (ein Gemeindezentrum war das, glaube ich) und bekommen dort eine große Ladung allerlei Sorten von Gemüse, je nach Saison. Waren das vielleicht 10kg? Alle 2 Monate oder so sind sie selber dran mit der Verteilung. Reingebracht in die Stadt wird das Gemüse vom Anbauer selbst, der auch alle 2 Wochen beim Verteilen mit dabei ist (er/sie hat zwei AMAPs in der Stadt zu versorgen). Ich hoffe, ich konnte dir einen besseren Einblick geben!

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