Sevilla: Semana de la Sostenibilidad

Sevilla: Semana de la Sostenibilidad

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Fotostream Reihenfolge:  Aus dem Rahmen fallen in Cadiz (Endlich Festland!) – Gastgeber Pablo in Sevilla (“Titiribici”) – 2x Sevilla Architektur – Sevilla Fahrradstation – Solartürme – Dokufilmreihe in Sevilla Eröffnungsfilm – Tandem aus England – Sechs Fotos aus der Ausstellung  “40 Lösungen für die Bewahrung unserer Lebensgrundlagen” – Birgits “Das Brot”-Laden – Biofriseur umgedeutet – Sevilla Klapp-Radler

In Sevilla konnten wir heute den Beginn der “Semana de la Sostenibilidad” (Woche der Nachhaltigkeit)  erleben. Eine Woche voller Filme, Debatten und Theater. Gleich zu Anfang der erste Höhepunkt: “Taking Root“, eine faszinierende Dokumentation über die 2011 verstorbenene erste kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai. Anhand ihres Beispiels fingen zigtausende Kleinbäuerinnen an, ihre Bürgerrechte wahrzunehmen, sei es in Form von Akten zivilen Ungehorsams (allen voran der Hungerstreik der Mütter inhaftierter Regimegegner), sei es  in Form von  Bäumepflanzen,um die durch Monokulturen von Kaffee und Tee hervorgerufene Erosion des kenianischen Mutterbodens einzudämmen. So verknüpfte sie Demokratie-, Frauen- und Umweltbewegung in Kenia und leitete so das Ende der Moi-Diktatur ein. 2005 erhielt sie dafür den Friedensnobelpreis (hier ihre Nobel-Rede).  Deutschlandradio brachte letzten September diesen Nachruf. Noch viel mehr Bäume, und das weltweit,  will der Gast der ersten Debatte heute abend pflanzen. Er ist 13 Jahre alt und heißt Felix Finckbeiner.  Die von ihm angeregte, mittlerweile von Kindern in mehr als 175 Ländern getragene Initiative heißt “Plant for the Planet” und wird nun auch von der UNO mitgetragen. Ihr “Baum-o-meter” hat gerade 12 Milliarden überschritten (!!!), kurz vor dem Zwischenziel von 14 Milliarden.  “Klimagerechtigkeit – jetzt!” und “Genug geredet – pflanzen!”  sind zwei ihrer Leitsätze. Leider konnten wir nach dem Film die Debatte mit Felix nicht mehr besuchen, weil wir schon bei der nächsten Couchsurfer-WG in Cordoba angemeldet waren, aber dafür noch eine Ausstellung im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche besuchen wollten (siehe Fotos).  Acht Kids meiner ehemaligen Schule hatten allerdings schon mal die Gelegenheit an einer Plant for the Planet Akademie im Harz teilzunehmen, wovon sie sehr begeistert und mit der Erfahrung ihres ersten (und bestimmt nicht letzten) Bäumepflanzens zurückgekommen waren. Neben Plant-for-the-Planet  gibt es übrigens auch Wikiwoods, die in Deutschland beim Pflanzen sehr aktiv sind, insbesondere in Meckpomm und Berlin-Brandenburg!

Sevilla ansonsten fiel unter ökologischen Aspekten vor allem durch sein florierendes Fahrradleihsystem auf, einige Einkaufskooperativen, mehrere urbane Gemeinschaftsgärten, ein von Slow Food ausgezeichnetes Bio-Restaurant,  das sogar die Gerichte mit den geringsten “food miles” kennzeichnete (also jenen Gerichten, deren Zutaten aus einem maximalen Umkreis von 140km rund um Sevilla stammten), und, natürlich, die einzigartige Biovollkornbäckerei von Birgit, so sehr nachgefragt, das den Einheimischen der zwar sehr eingängliche aber auch sehr deutsche Name der Bäckerei nichts auszumachen scheint:  “Das Brot”!  (Birgit hatten wir übrigens schon auf dem Hinweg in ihrem Wohnort/ihrer Backstube bei Tarifa besucht, es war also ein Wiedersehen!) Weltberühmt sind die Solarparks rund um Sevilla, weil sie Pioniere in der Solarturm-Technologie sind (siehe Foto). Auch findet  die neugegründete Partei “Equo” hier viel Unterstützung, was sich schon in den Parlamentswahlen letzten November zeigte und sich nun vielleicht auch in den anstehenden andalusischen Regionalwahlen bestätigen wird. Die Wahlveranstaltung letzten Donnerstag in der Uni war jedenfalls gut besucht. Fahrradstellplätze sind in der engen historischen Altstadt allerdings rar (von den Radstationen des öffentlichen Leihsystems abgesehen), deshalb fahren viele Bewohner auf Klapprädern, die sie bequem in die Whg mitnehmen können. So viele Klappräder auf einmal – ein seltener Anblick!

Die Fahrradbegeisterung Sevillas äußerte auch über unsere Gastgeber: das Tandem Nostrum, aus Sevilla, das seit letzten Februar im Uhrzeigersinn  rund um das Mittelmeer radelt, vermittelte uns den superfreundlichen  “Marionetten-Radler” Pablo, genannt  “Titiribici“, der nach seiner Indonesien-Tour demnächst auch Südamerika mit seinem Puppenanhänger  durchradeln wird! Die Stadt zog neben uns auch ein anderes tourendes Tandem an, auf der Reise von England nach Israel (wo die Mittelmeer-Umquerer Tandem Nostrum gerade in Begriff sind anzukommen ), zufällig trafen wir uns in der Fußgängerzone! Sevilla zählt zu den wärmsten und trockensten Orten auf der Halbinsel,  es kam uns  dieser Tage sogar wärmer vor als die windigen Kanaren. Hier fühlen sich 20 Grad wirklich als 20 Grad an, und das im Februar :-) Von Reisen im Sommer ist für Menschen, die auf Hitze zwischen 30-40 Grad empfindlich reagieren, allerdings eher abzuraten (“lebensfeindlich” nannte es ein anderer Radler, “BikeFriday”, den wir letzten September in Südfrankreich trafen, der uns aus Spanien entgegenkam). Laut unserem Gastgeber Pablo beginne der Sommer hier auch immer früher, sprich im April oder Mai und ginge in den Oktober hinein. Frühling (aus einheimischer Perspektive) also Fehlanzeige. Anscheinend haben wir also jetzt die beste Reisezeit erwischt! Auch wenn die Sevilleros halb vermummt daherlaufen haben wir noch mal Sonne getankt und  die arabischen Fassaden und Innenhöfe, die Palmenalleen und Plätze genossen. Hin und wieder konnten wir sogar Flamenco-Geklacker von TänzerInnen hören, die draußen trainierten! Unsere nächste Station ist jetzt Cordoba, anschließend Madrid und San Sebastian. Muchos saludos und bis bald!

La Palma bietet Blicke auf verschiedene Meere …

La Palma bietet Blicke auf verschiedene Meere …

Liebe alle!! Wir melden uns zurück nun schon Ende Januar, mitten in der Mandelblüte La Palmas :-) Unser Ankommen auf La Palma war früher als gedacht: schon vor Weihnachten wechselten wir die Inseln, da die Mitarbeit im Rahmen von “wwoofing” flexibler gehandhabt wird, als von uns vorher erträumt. So wechselte unser Plan A zu Plan C! Wir lernten, dass freiwilligen Mitarbeitern trotz vereinbarter Arbeitszeit frühzeitig (der nicht vorhandene Vertrag) gekündigt werden kann und dass sogar 14 Tage vor Einsatzbeginn eine dreimonatige Zusage gänzlich abgesagt werden kann. Die Gründe sind vielschichtig und wohl auch durch die Flexiblität Gleichgesinnter entstanden, die von sich aus nicht am Einsatzort erschienen oder frühzeitiger abreisten. Für uns selbst bedeutete dies zwischen den Jahren ein Nachdenken, was wir nun selbst von den Kanaren, bzw. La Palma, wollen, wie lange wir selbst uns verpflichtungsfrei hier wohl fühlen würden. Wir entschieden uns für Mieten und gegen wwoofen und gleichzeitiger Unabhängigkeit von unzuverlässigen Arbeitgebern. Dazu kam auch die Akzeptanz, dass selbst ein gut durchgeplantes Sabbatjahr dazu einlädt, auf erwartetes Eintreffen zu verzichten und sich den örtlichen Gegebenheiten hinzugeben! Somit haben wir uns zunächst klimatisch mit der Insel auseinander gesetzt: das, was euch

unglaublich vorkommen mag – nämlich dass wir gerade draußen sitzen können – ist selbst auf dieser Insel mitten im Atlantik keine Selbstverständlichkeit: als wir aus dem teils heißen Valle Gran Rey von Gomera auf La Palma ankamen, lernten wir bei El Paso Fallwinde kennen, die von gut 2000m hohen Felsen die Hochebene hinunterfegten und uns nach Sonnenuntergang gegen 18h in das zugige Holzhaus trieben. Nach ein paar Tagen ließen wir uns  schon leicht verzweifelt die 600m Höhenunterschied nach Tazacorte Puerto auf dem Tandem herunterrollen, um uns an einem der wenigen zugänglichen Strände aufzuwärmen. Klar war für uns, dass wir einen Ort brauchten, frei von Wind und Bananenplantagen (hier werden durchschnittlich 85 Liter pro Hektar gespritzt, noch viermal mehr als in Andalusien, teils mit auf dem Festland schon ausrangierten Mitteln, höchste Krebsrate Spaniens leider genau hier). Wir wurden fündig im Raum Tijarafe, auf einer Pferdefinca der Schwedin Marie-Luise. Hier mieten wir seit Neujahr ein Zimmerchen mit Anschluss an einen Gemeinschaftsraum, der nach Sonnenuntergang durch die Wohnküche mollig warm ist. (ja es stimmt: hier wird es nachts 3-8 Grad kalt und die wenigsten haben eine Heizung!!) Geteilt wird er mit derzeit 7 Wwoofern aus Irland, Schweden, Rumänien, Frankreich und der Schweiz. Warum auf dem Foto unser Tandem im Auto von den zwei befreundeten Couchsurfern Tanja und Michael zu sehen ist, ist leicht zu beantworten: nach unserer Abfahrt zum Strand, 15 Minuten nur Rollenlassen, haben wir nicht wieder hochgefunden gehabt! La Palma soll schließlich die zweitsteilste Insel der Welt sein, seitdem der vor mehreren Mio. Jahren ausgebrochene Vulkan zum Erkalten kam.

Zurück geblieben sind nicht überquerbare “Barrancos”, spitzzulaufende Täler, die ausschließlich durchwandert oder ausgefahren werden müssen. Das Ausfahren bedeutet Haarnadelkurven, Serpentinen und mehrere hundert Höhenmeter. Wir benutzen das Rad also nur noch zur Fahrt in den Bioladen im nächsten Dorf, Richtung Puntagorda – etwas weniger kurvenreich und nur 100 Höhenmeter! Beeindruckt sind wir natürlich von dem Nebeneinander dieser Insel: es gibt neben den Gebieten mit den für uns eher exotischeren Früchten wie Physalis, Chirimoyas, Kaktusfeigen, Bananen, Mangos und Guaven auch Regionen, die im Winter so kalt werden, dass dort Kernobst gedeiht. Also auch Äpfel, Birnen oder Pflaumen. So können wir auch immer noch regelmäßig Mandeln pflücken und am selben Baum die Blüte bewundern – ja Frühling mitten im Januar, nur fehlt der Amselgesang ;-) Ohne die Bewässerung der AnwohnerInnen wäre jedoch die herkömmliche Natur – zumindest hier auf der Westseite der Insel – eher von trockenen Nadelholzwäldern, Drachenbäumen und Kakteen geprägt, die auch gerade am Besten die anhaltende Trockenheit aushalten (für uns natürlich sehr angenehm) für die Natur eher zehrend, dass die Wolken leider nur die Sonne verdecken, anstatt endlich abzuregnen! Spanien und die Kanaren erleben gerade einen der trockensten Winter seit Beginn der Aufzeichungen.Das Leben vor Ort ist ansonsten von Spaniern und Spanierinnen, von einigen wenigen Nachkommen der Guanchen und unzähligen Aussteigern besonders aus Deutschland geprägt. Zum einen sind dies sonnenhungrige Hippies, die gern das Höhlenleben wiederentdecken (oder in ihren bunten Rainbow-Bussen über die Insel fahren) oder aber ruhebedürftige und freiheitssuchende Menschen, die fern von Verkehr und vielen Nachbarn das kanarische Inselleben für sich entdeckt haben. Ein Leben im Kampf um die Einnahmen aus spirituellem Massage-Tourismus und möglichst ökologischer Landwirtschaft. Gut beraten sind diejenigen mit einer handwerklichen Ausbildung: denn fast jeder träumt hier von der unverwechselbar idyllisch gelegenen Finca im Grünen! Tanja und Michael bewohnten einige Monate übrigens ein uriges Holzhaus, welches lediglich über zwei Wanderwege zu erreichen ist, dafür aber mit Sonnenuntergangs- und Seeblickgarantie!

Für uns – wer hätte das gedacht! – geht die La Palma Zeit nun in einer Woche zuende. Wir werden über Teneriffa wieder aufs Festland reisen und dann mit dem Zug langsam unsere Rückreise beginnen. Wir sind schon gespannt, was uns alles erwarten wird :-)

Feliz navidad!

Feliz navidad!

Hola! Hier ein kurzer Weihnachts-Stern-Gruss von uns! Wir melden uns mal ausfuehrlicher zwischen den Jahren! Fuer den Moment noch drei nett gemachte Links rund um Weihnachten, aus den Weihnachtsmails, die mir in den Briefkasten geflattert sind:  Santa Klaus: Der Karren im Dreck, Bethlehemian Rhapsody, www.co2nachten.net und ein besonders gelungener  Cartoon zum Klimagipfel in Durban. Euch allen die Feiertage, die ihr euch wuenscht!

Bis bald!

Florian und Vera

 

Gartenarbeit im Dezember

Gartenarbeit im Dezember

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Auf La Gomera gestrandet !!!

Auf La Gomera gestrandet !!!

Ihr Lieben! wir haben es geschafft, wir sind auf den Kanaren angekommen, wir können es selbst noch gar nicht so richtig fassen !!! Mitten hinein in einen Garten mit reifen Auberginen, Erdbeeren und frischer Pfefferminze :-) … doch bis wir hierher gelangten ließen wir so einige Seemeilen hinter uns: Am Dienstag verließ die Fähre Cadiz um 18h. Geladen hatte sie neben uns Tourenradlern lauter alternative Überwinterer mit ihren Hunden und Vans, pensonierte WohnwagenfahrerInnen und LKWs – z.B. mit Schiffskolben direkt aus Friedrichshafen für ein darauf wartendes Schiff auf La Palma. 18 Tonnen hatte Sascha geladen, mit Anhänger … dennoch konnte Holger mit seinem Navi gute 40km/h messen, sodass wir die erste Insel Lanzarote auch schon am Mittwoch um 23h erreichten. Hört sich erst mal alles relativ entspannt an: doch bis wir Gran Canaria erreichen sollten, verging noch einmal eine ganze Nacht. Als wir dort auf Las Palmas ankamen “Seniores pasajeros …” (alle 5 Minuten gab es eine Durchsage) hatten wir glatte 6 Stunden Aufenthalt. Wie jetzt? Aber wir wollten doch heute noch auf La Gomera ankommen, das konnte doch nicht sein, dass wir wegen dieses Aufenthaltes alle Anschlüsse verpassen sollten. Und doch, so war es: das gesamte Schiffsnetz ist nicht darauf ausgelegt, dass Menschen mit Öffis die Inseln erreichen. Von Gran Canaria gibt es schlicht keine Fähre nach Gomera – alles läuft über Teneriffa. Dort kommt die Fähre  im Norden an – die Fähre nach Gomera läuft aber im Süden, in Los Christianos aus … ihr könnt es euch denken: als wir am Donnerstag um 18h auf Teneriffa ankamen, gab es dort keinen Bus mehr, der uns direkt hätte bringen können, da die letzte Fähre eh schon um 19h ablegte: es war aussichtslos. :-( Nach unserer “Ronda” Erfahrung war uns aber klar: es reicht wenn ein Busfahrer in etwa in die Richtung fährt, die wir brauchen, denn schließlich ist er es, der entscheidet ob er uns mitnimmt oder nicht ;-) Und so kam es dann auch: wir wurden bis 5km vor Los Christianos mitgenommen und legten noch die letzten Kilometerchen mit dem Tandem zurück – eine Wohltat sich auf festem Boden zu bewegen!! Noch ein Mal zelten, morgen Früh (also Freitag) würden wir die erste Fähre nehmen, endlich! Dass wir aber mit nur einer Fähre nun an unseren Zielort “Valle Gran Rey” kommen würden, das hatte auch wirklich nur ich gedacht (immerhin war die erste Fähre nämlich noch mit Autos bestückt, also groß genug um den Wellen entspannt zu trotzen) was uns aber ab San Sebastián erwartete, war eine reine Personenfähre :-( das Boot wackelte unaufhörlich von links nach rechts, von vorne nach hinten und dann fuhren wir eine Weile auch noch gegen die Wellen … ein echter Alptraum und 2 benutzte Spucktüten. Es ist überstanden und dennoch bleibt eine Frage für mich bestehen: umweltverträglich reisen ist das Eine: was aber ist mit mir selbst? Denn noch einmal werde ich diese Fähre NICHT betreten! Es geht also wie immer um die Vereinbarkeit von allem :-)

Nun beginnt für uns eine neue Phase unseres Sabbatjahres: wir werden sesshaft !! Zunächst sind wir einen Monat bei Ans und Silvain mitten in einem Garten, den wir hegen und pflegen dürfen: außerdem sind wir fürs Kochen abends zuständig :-) Das Mango-Eis in ihrer Eisdiele ist übrigens aus eigener Ernte!! Es gibt auch Internet; wir freuen uns auf Mails und Anrufe und werden weiterhin berichten, was wir erleben, für uns herausfinden und denken. Wir möchten uns an dieser Stelle herzlich bedanken bei euch, für eure treue Leser_innenschaft und für eure motivierenden Wünsche, die uns beim Radfahren begleitet haben. Habt alle eine gesegnete Adventszeit, falls sie euch etwas bedeuteten sollte. Bis die Tage :-)

Marokko zwischen Mittelalter und Desertec

Marokko zwischen Mittelalter und Desertec

Die Meerenge zwischen Spanien und Marokko ist nur 14km breit. Tagsueber sind mindestens die Berghuegel des Nachbarn zu sehen, abends sieht man die Lichter des Staedte des jeweiligen Nachbarlandes: Tanger und (die spanische Enklave) Ceuta auf marokkonischer Seite, Algeciras, Gibraltar, Tarifa, vielleicht auch Marbella auf spanischer Seite. Fluechtlingsboote kommen jedoch auf der gesamten spanischen Suedkueste an, auch da, wo es weitere Wege zurueckzulegen gilt: Almeria, Montril, Malaga – unsere Gastgeber in den jeweiligen Orten konnten uns sowohl von Booten erzaehlen, die inmitten von Touristen am Strand landen, als auch von leeren Booten, die angespuelt aufgefunden werden, die Leichen kilometerweit verteilt an der Kueste.

Als wir am Sa, 19.11., bei stroemenden Regen, wenig Wind und Null Sicht in die andere Richtung uebergesetzt sind, war von solchen Dramen nur zu erahnen. Obwohl es in Nordmarokko am bis zu 3500m hohen Atlasgebirge immer wieder gerne mal abregnet, warnte man uns vor Ueberschwemmungen auf den Strassen. Nach Meknes wuerde nicht nur der BUs, sondern auch ein Zug fahren. Die Wartezeit verbrachten wir in der Cafeteria einer Sprachschule, deren “Barkeeper” – Nabil, ein junger Akademiker – sich gut mit uns unterhielt bzw. – als er anfangen musste fuer die in ihrer Pause anstuermenden Kinder Crepes zu backen – uns sein Netbook ueberliess, auf dem wir das, was er uns von Marokko erzaehlte, nochmal nachlesen konnten: Leben hier wirklich 40% Analphabeten? Der Koenig kontrolliert mit seiner Holding jegliches Wirtschaftsleben? Jugendarbeitslosigkeit bei 30%, Korruption, Vetternwirtschaft der Elite (“Makhzen”), keine Arbeitsrechte oder Gesundheitsversorgung, Frauendiskriminierung, kritische Presse muesse aus Spanien oder Frankreich per Internet operieren, fehlende Trennung von Religion und Staat, jeder Vierte in Armut? Die soziale Buergerbewegung des “20.Februar” sei allerdings (noch) nicht so weit verzweigt wie in Tunesien oder Aegypten. Der Koenig habe durch eine Verfassungsreform Anfang Juli den Druck aus dem sozialen Kessel genommen und viele Menschen glauben gemacht, das Land koenne sich trotz seines Systems quasi absoluter Monarchie noch entwickeln, hin zu mehr sozialem Ausgleich und Buergerbeteiligung. Nachdem wir ja ein Stueck weit den spanischen Wahlkampf und die spanische Buergerbewegung des 15.Mai miterlebt hatten (“15M”, sprich Quinze Emme), hier also das marokkanische Gegenstueck: die Bewegung vom “Fevrier 20″ und: am kommenden Freitag sollte auch hier das Parlament neu gewaehlt  werden! 2007 lag die Beteiligung allerdings bei 37% - ein Zeichen dafuer, was viele Marokkaner von ihrem “Scheinparlament” halten. Von Wahlbegeisterung wie in Tunesien oder Aegypten war im Vorfeld jedenfalls nichts zu spueren. Und wie sich herausstellen sollte, lag auch dieses Mal die Beteiligung bei nur wenig mehr als 40%. Die Bewegung des “Feb20″ hatte zum Boykott aufgerufen.

Im Zug nach Meknes funktionierten die Lichter nicht, was unsere Mitreisenden – einer sprach leidenschaftlich gern Deutsch – als relativ normal hinnahmen. Konnte auch an dem Regen liegen, der vielerorts, nicht nur in Marokko, fuer Ueberschwemmungen sorgen sollte, wie wir spaeter in Meknes im Fernsehen sehen konnten, z.B. die Schlammlawinen und fortgespuelten Autos in Italien. (Bei gleichzeitigen Duerrebraenden in den deutschen Alpen – verrueckt!) Es regnete dann noch drei Tage am Stueck, dazu noch eine Kaelte, die sich in den ausladenden Raeumlichkeiten, in denen Estelle (aus Rennes) und ihr Mann Mariano (aus Buenos Aires) zu wohnen gekommen waren, ziemlich bemerkbar machten. Wir versammelten uns die Tage also vor dem einzigen Gasofen. Meknes im Regen: die ehemalige Hauptstadt, beruehmt fuer ihre zahlreichen Minarette und engen Marktgassen, den Souks, zeigte sich von ihrer eher haesslichen Seite, Bewohner, die augenscheinlich auch froren, aufgeweichten Wegen (nicht alle Gassen der Altstadt sind gepflastert), fortgespuelter Muell, Verkehr, der sich vor lauter angefragten Sammeltaxen staute und vor sich hin stank und laermte. Dank Estelle und Mariano (und ihrem vierjaehrigen Pablo) haben wir uns dann aber trotz Regen und Kaelte sehr wohl gefuehlt, die Tage von Samstag bis Donnerstag. Am Mittwoch dann endlich Sonne! Unser Ausflug nach Fes, der anderen alten Hauptstadt, wurde dann auch zum Hoehepunkt unseres Aufenthalts: in der laut Wikipedia ”groessten autofreien Zone der Welt” (der Altstadt von Fes) konnten wir alte Handwerkskunst bestaunen, als waeren wir auf dem Flachsmarkt in Krefeld – bloss, hier war es die Wirklichkeit fuer die Menschen! Aber auch fuer Fes musste ein Online-Reiseportal feststellen: “In Fes wähnen sich die Reisenden ins Mittelalter zurückversetzt. Dass dies ein überbevölkertes Wohngebiet der Armen ist, dass viele nicht lesen und schreiben können, dass Kinderarbeit etwas Normales ist, dass die Hygiene-Bedingungen nahezu katastrophal sind, dass die Angst vor einer Feuersbrunst stets gegenwärtig ist, wird selten bedacht.” (www.fes-marokko.de)

Nachdem wir in Meknes keine anderen Touristen bemerkt hatten, sahen wir in Fes einige wenige. Soll heissen, die Kunden fuer all das Handwerk werden – ein Glueck – auch von den Einheimischen gestellt. Supermaerkte? Fehlanzeige. Hier wird alles im entsprechenden Souk gekauft. In Rabat oder Casablanca wird sich bestimmt auch ein Carrefour aus Frankreich eingenistet haben und in Tanger klebte auch eine Lidltuete in einer Palme am Strand, aber hier in der Altstadt von Fes schien noch alles seinen alten Gang zu gehen. Buchstaeblich. Und wenn noetig, fuer schwerere Lasten, mit Eseln. Explizit ohne Chemiekeule angebautes Obst und Gemuese (“bio”) wird allerdings zu 100% fuer den Export verwendet, regelrechte Biolaeden waren dann auch nicht aufzufinden. Und was den vegetarischen Teil unserer Reise angeht, fuer Marokko koennen wir die geduenstete Gemuese-”Tahine” empfehlen, die Linsensuppen und die Kichererbsen-Fladen. Beim “vegetarischen” Couscous hatte der Kellner allerdings nicht geschafft, alle Fleischstuecke heraus zu sammeln (!), und das, obwohl es laut Wikipedia sogar mehrere Varianten von (echten) Gemuese-Couscous gibt. Vielleicht sind wir aber auch einfach in der falschen Couscous-Kueche gewesen.

Auf der Rueckfahrt – viel netter: bei Helligkeit im Zug – sahen wir einige (einheimische) Radfahrer auf den Landstrassen, mit relativ wenig Verkehr. Mit dem Tandem durch Marokko per Rad zu erkunden waere also durchaus moeglich, auch wenn sie in Meknes und ausserhalb der Altstadt von Fes fahren, als gaebe es kein Morgen. Unser Gastgeber in Montril hatte mir ja vor 10 Tagen gute zwei Stunden Fotos seiner Radreise durch Marokko gezeigt, inklusive Atlas-Kletterei-Etappen. Schneebedeckte Berge waren von Fes uebrigens auch zu sehen! Bei herrlichen Wetter sahen wir dann auch von der Faehre aus Teile des 150MW-Windparks, den Mohammed VI. ueber Tanger hat bauen lassen, der zur Zeit groesste in Afrika. Aber ob sein Desertec-Engagement – 2013 soll ein 12qkm grosser Solarparabol-Park als Musterbeispiel errichtet werden – auf echter Ueberzeugung beruht ist fraglich, hat er sich doch noch nicht offiziell von den zwei AKW-Bauplaenen verabschiedet, die er angeblich in der Schublade hat. (An dieser Stelle grosser Glueckwunsch und Respekt an alle, die sich dieses Jahr erfolgreich rund um den Castor engagiert oder sich in anderer Form kritisch mit Uranabbau beschaeftigt haben!)

Zurueck auf der europaeischen Platte sattelten wir noch am selben Abend erneut das Tandem und wurden vom Levante, dem Ostwind, in der Dunkelheit ins 20km entfernte Dorf Facinas geweht, wo uns Luz erwartete: eine supernette Hebamme, selbst im 8.Monat schwanger, mit Hausgeburt geplant! Ihre Bio-Abokiste aus Vejer war nicht die einzige zusaetzliche angenehme Ueberraschung, in der Nachbarschaft wuerde auch deutsches Biovollkornbrot gebacken! Als wir aufwachten wurde klar, dass wir oberhalb von Gibraltar noch nicht alle Windkraftanlagen der Gegend gesehen hatten, hier koenntest du meinen, Spanien sei schon jetzt 100% erneuerbar!

Nachdem wir uns am naechsten Morgen bei Birgit von der Panaderia mit dem eindrucksvollen deutschen Namen “Das Brot” mit Stollen, Broetchen und Brot eingedeckt hatten, ging es weiter nach Vejer, einem kleinen Ort, mitten auf einer Bergspitze gelegen. Sehr schoen zum Hochschieben! Unser wunderbarer Gastgeber hier: Werner, ehemaliger GTZ-Mitarbeiter, Panamericana-Drei-Gang-Radwanderer, z.Zt. fuer ein paar Tage Strohwitwer. Von hier oben, direkt aus dem Haus, sehen wir am Horizont die Lichter der Schiffe, die durch die Meerenge fahren, die Lichter von Tanger, hoeren zweimal taeglich das Kuestenwachen-Flugzeug, das nach Fluechtlingen sucht. Das naechstgelegene Dorf am Meer, Barbate, hat traurige Beruehmtheit als Rauschgift-Drehscheibe erlangt, bei der Suchanfrage “Barbate” auf Google finden sich Berichte aus verschiedenen deutschen Tageszeitungen, u.a. von unserem Journalisten-Freund Lukas, der 2003 hier recherchiert hat. Noch habe sich allerdings nichts geaendert, sagt Werner. Die Haschisch-Anbaugebiete seien gleich im noerdlichen Kuestengebirge zu finden. Dort muessten sich auch jene Fluechtlinge verstecken, die hier die Ueberfahr wagen wuerden und auch hier regelmaessig verungluecken wuerden. Vera hatte ja den Link zur NGO Borderline Europe, inklusive deren Petition, in einen aelteren Post gestellt, hier nochmal die Webseite. Interviews mit Fluechtlingen aus Togo und dem Tschad hier.

Morgen faehrt unser Boot von Cadiz nach Santa Cruz de Tenerife, dann weiter nach La Gomera. 35-50h Fahrt, je nach Wetter, entlang der Kueste von Marokko. Die letzten 50km nach Cadiz per Fahrrad zu fahren ist uns von mehreren Radlern allerdings leider abgeraten worden: wie schon nach Malaga wuerde auch hier eine laengere, autobahnartige Strecke ohne Standstreifen auf uns warten. Dieses Mal ohne Ausweichmoeglichkeit in die Berge. Also versuchen wir morgen, Platz im Kofferraum des Busses nach Cadiz zu finden. Mit anderen Worten: Unsere Radfahrstrecke ist nun, nach knapp 4800km, vorbei, das Tandem reif fuer eine Generalueberholung, und wir dafuer, endlich wieder einmal laengere Zeit als nur fuer ein paar Tage an einem Ort zu sein!!!!! Der naechste Post also von den Kanaren. Neue Fotos in der Galerie.

“Neulich bin ich mit 120 auf meinem Fahrrad rumgefahrn” …

“Neulich bin ich mit 120 auf meinem Fahrrad rumgefahrn” …

… natürlich haben wir in Malaga viel über die nächsten Kilometer gehört und gewarnt wurden wir in den letzten 4800 km vor so manchem Abschnitt. Dass sich aber nun ausgerechnet die Bundesstraße N340, auf der wir immer wieder seit Barcelona radeln, schon vor Marbella in eine 4 spurige Küstenstraße ohne Standstreifen verwandeln würde – das konnten wir uns wirklich nicht vorstellen !! Wir versuchten es erst noch mit Promenaden direkt am Strand und auch mit dem Fußweg … ihr seht Florian auf dem Bild! Nicht dass es nur Laternen waren, die uns beim die Straße begleitenden Fußgängerweg den Weg erschwerten … sie waren auch noch zusätzlich umhölt, sodass wir nach mehrerem Absteigen und erfolglosem “in Wohngebieten Herumirren” ein paar Kilometer freiwillig doch auf der Straße fuhren. Spaß ist aber echt etwas anderes! Als uns im Touribüro erzählt wurde, dass die nächsten 60 km genau dieses weiter bedeuteten, war die Entscheidung gefällt: wir gaben das erste Mal aus Streckengründen auf! Noch waren wir zuversichtlich, dass wir einen Bus bekämen Richtung Algeciras. (Züge fahren hier an der Küste leider nicht) Als die Dame am Schalter unser Tandem und Gepäck sah, wurde sie skeptisch: würde es einen Busfahrer geben, der uns mitnähme? Sie versicherte sich sogar noch bei ihrem Chef. Er – ganz interessiert – meinte “na, wenn das Gepäckfach frei genug ist, kommen sie auf jeden Fall mit” … es war dann aber leider so enttäuschend: 3 Busfahrer mit halb aufgeknöpftem Oberhemd und Fluppe im Mund erzählten etwas von Verantwortung “in letzter Instanz” und nahmen uns nicht mit. Schon etwas entnervt stellten wir uns an die Autobahn (die dort auch noch parallel verläuft) und hofften auf einen Lieferwagen. Als nach 45 Minuten aber leider noch nicht mal ein Esel anhielt ;-) gingen wir noch einmal zum Busbahnhof zurück. Der Busfahrer nach Ronda schien offen zu sein. Florian war gleich begeistert. Ich brauchte einen Moment: freiwillig in die Berge fahren? das hatten wir das letzte Mal freiwillig nach Valls gemacht, kurz vor Tarragona !! Von unserem Gastgeber Hans in Malaga hatten wir schließlich auch schon von der “Traumabfahrt” gehört von Ronda in Richtung Küste … also warum nicht ?! Als wir auf gut 700m ankamen, wussten wir, was wir in Deutschland gerade verpassen: echte 10 Grad und karges wunderschön verfärbtes Laub an den Bäumen. Zelten würde also erst mit 2 zusätzlichen Schlafsäcken angenehm werden, also durfte das zweite Hotel herhalten, welches von der Busstation leicht zu erreichen war. Am nächsten Tag dann die “Abfahrt” :

… auch wenn es euch Internetseiten, wie die “bikemap” versprechen, dass es 40km “nur bergab” geht … wartet mit eurer Begeisterung bis ihr wirklich spürt, dass ihr loslassen könnt: denn Ronda-San Roque bedeutete zwar 90km wunderschöne einsame Strecke (echter Vorteil zur Nacional ) vorbei an zerstrubbelten Baumwollfeldern, Stierweiden, weiß getünchten Bergdörfern … dass wir aber völlig erschlagen bei unseren Couchsurfern in San Roque ankamen; könnt ihr euch von ihnen bestätigen lassen ;-) Was diesen Tag allerdings wirklich zu einem Gelungenen abrundetet waren mind. 50 gesichtete Storchennester! wir konnten es kaum fassen! auf den Strommasten, auf Flutlichtern, einfach überall entlang unserer letzten Meter vor San Roque nisten Störche, klappern und küssen unaufhörlich, wirklich toll! Nach einer Nacht dann hier gleich neben der größten Ölraffinerie Spaniens machten wir uns an die letzten Kilometerchen nach Tarifa über Algeciras. Dadurch, dass uns die gestrigen 90 km noch in den Muskeln steckten, mühten wir uns fast förmlich jeden Zentimeter die Meeresenge mit Blick auf Gibraltar, Windräder und Nordafrika hinauf. Oben angekommen gab es ein großes Hallo mit einem deutschen Pärchen, die uns fragten, wo wir denn her kämen. Wir so : “aus Hannover” – sie stutzte und meinte: “nee ich mein jetzt von woher mit dem Fahrrad” – wir grinsten zurück: “wir sind in Hannover mit diesem Rad gestartet“. Beide konnten es nicht fassen! Auch von den Kitesurfern, die wir in Tarifa kennen lernten und wo wir unser Tandem netterweise ein paar Tage stehen lassen dürfen, wurden wir sportlich angeschaut! Ja, ihr Lieben, bevor wir uns noch mal kommenden Freitag für die letzte Etappe nach Cadiz an das Tandem wagen, entspannen wir ein paar Tage in Meknes/Marokko bei unserer Freundin Estelle mit Familie :-) Hier tauchen wir gerade – wie hineingesetzte Figuren – in eine völlig andere Welt zwischen König, liberalem Islam und französisch/spanischem Einfluss mit seltenen Zügen und wilden Taxen ein … aber dazu mehr in ein paar Tagen! – neue Bilder findet ihr in der Gallerie :-)

Equo va, en Malaga!

Equo va, en Malaga!
Equo va, en Malaga!

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Equo – das geht, und zwar auch hier in Malaga! Wir sind zu Gast bei lokalen Equo-Kampaignern Isabel und Hans. Beide fahren ein Pino-Tandem und handeln mit Fahrraedern! Equo, das ist der neue Zusammenschluss aller 35 spanischen grünen Parteien, initiiert vom Ex-Greenpeace Spanien Vorsitzenden Juan Lopez de Uralde (er mit der Roten Teppich Aktion in Kopenhagen 2009!), unterstützt von den Grünen im EU-Parlament.  Auf dem Programm stehen Dinge wie Vermögenssteuer, Finanztransaktionssteuer, Schluss mit der Korruption, Biolandwirtschaft statt Betonbauboom, Reform des Wahlgesetzes (das z.Zt. nur die großen Parteien bevorzugt), zig neue Jobs durch radikale Förderung alternativer Energien – Sonne und Wind gibt es hier schließlich gratis und noch immer sehen wir zwar schon ein wenig an PV und vor allem an Solarthermie auf den Dächern, aber längst nicht jene 100%, die möglich sind! In Motril, einer Kleinstadt vor Malaga, hatten wir am Donnerstag den ersten Kontakt mit der Kampagne von Equo, seitdem fahren wir mit einem neuen Banner am Rad ;-) Dann, in Malaga, wieder ein Zufall, vor der Markthalle der nächste Wahlkampfstand. Schließlich kommen wir netterweise über Inaki, den Betreiber des lokalen Bioladens Aloe, bei Hans und Isabel unter, und wieder: Equo!  Unser hinterer Sattel und der Gepäckträger brauchten eine Überholung – Vladimir von Biketours Malaga ließ uns ein altes Tandem demontieren – so gingen wenigstens Teile davon wieder auf Reisen, meinte er :-)   Vielen Dank dafür und auch an unsere netten Gastgeber Isabel und Hans, fürs spontane Einspringen! Ein schöner Zufall! Jetzt gehen wir ausgeruht in den Endspurt – noch einmal Zelten, dann müssten wir Gibraltar sehen! (Der von Vera ankündigte Pestizid-Post wird aufgeschoben für die Kanaren, wo angeblich die Menschen mit am meisten Glifosat im Körper leben…)

Kaninchen erlegt oder Schlauch geplatzt ? … wir berichten

Kaninchen erlegt oder Schlauch geplatzt ? … wir berichten

… natürlich haben “die Spanier” auch ein Recht auf ihren November – gar keine Frage … regnen möge es so viel es wolle … aber doch bitte nicht, wenn wir durch die Lande ziehen, oder ?? ;-) In Torrevieja warteten wir Freitag Nachmittag ab – bis das durchdringend feuchte Nass – immer wieder sagen uns die Leute, es sei das erste seit Mai – endlich von oben aufhörte! Wir fuhren an Cartagena vorbei und einen weiteren Tag bis hinter Aguilas, und damit endlich nach Andalusien rein, wo wir endlich wieder einen wolkenlosen und damit sichtbaren Sonnenuntergang am Strand feiern konnten! Der November bedeutet ja selbst in Andalusien, dass es um 18h mittlerweile dunkel wird … und wir natürlich immer weniger durchflutete helle Fahrzeit haben! Dabei waren Freitag, Samstag und Sonntag von teils bergig steilem Gelände oder unendlich scheinendem Salat- oder Tomatenanbau in entvölkerter Landschaft geprägt. Ein bisschen drängt sich im Inland der Eindruck auf, dass nur wenige verstreut lebende Menschen hier den Standort halten und die Erntehelferinnen und Helfer aus z.B. Marokko oder Rumänien auf den Feldern die Rücken krumm machen und gleich nebendran der Pestizid spritzende Trekker vorbeizieht – wer kümmert sich schon um die Gesundheit halb Illegaler, um Rückstände im Essen und den irgendwann vollends ausgelaugten Boden?? Florian wird hierzu noch ausführlicher berichten! Aber dennoch haben wir auf Cilas Tipp aus Rojales hin  Ana Susis “Wendland-Koop” hier im Hinterland ausfindig machen können und konnten uns so richtig rund ausstatten – als wir vorher anriefen war sie irritiert und verstand nicht so recht, was wir wollten:  “Vera” kannte sie als Nachnamen ihrer Schwägerin und verstand immer (also für deutsche Ohren) “Hallo hier ist “Trier” und Florian” (siehe Foto in der Gallerie) … dennoch hatte sie unser Telefonat behalten und es vielen merklich mehrere Groschen, als sie uns mit Tandem auf den Hof fahren sah: so war ich viel mehr verdutzt, als ich den Kopf reinsteckte und als erstes mit Namen begrüßt wurde: “Vera”? … wir mussten sehr lachen!! oh ja, wir durften sogar dort übernachten – eine unbewohnte Wohnung stand uns zur Verfügung und wir bekamen hausgemachte Tomatenmarmelade und selbst eingelegte Artischocken geschenkt! :-)

Immer wieder erinnere ich mich an den Besuch in dem Freiburger Kartenladen, der uns eine Profillandkarte von Spanien zeigte und meinte: ” ist euch eigentlich schon mal aufgefallen, wie bergig Spanien ist, und was ihr euch da vorgenommen habt ?? … wenn ich an eurer Stelle wäre führe ich erstmal den Rhein-Rhone Kanal statt der Schweizer Mittellandroute – hebt die Kraft für später auf” … was wir ja auch ein Glück getan haben … denn bei allen schönen/verbauten flachen Küstenstraßen, sind es derzeit Gefälle mit bis zu 10%, die uns abwärts tragen oder uns belustigt gegenüber stehen. Nun gut, so sehr wir auch mit den Steigungen und dem wirklich starken Südwestwind, der Abfahrten manchmal sogar ausbremst, bis Cadiz zu tun haben werden: die Abfahrten haben immer noch die Kraft geschwitzte Stunden des vorherigen Hochfahrens selig auszugleichen! … hier mal ein Beispielbild, wie wir mittags versuchen dafür aufzuladen – manchen Köchen fehlt hier wirklich jeglicher Hang zur Kreativität: vegetarisches Menü ?!? wie wäre es mit frittiertem Gemüse mit Pommes? ;-) – aber direkt am Meer !! ;-) – manche Leute hier am Straßenrand verwundert manchmal doch glatt am Meisten, dass wir es vegetarisch essend und nur auf unabhängige Bioläden ausgerichet bis hierhin auf dem Tandem geschafft haben

…uns verwundert viel mehr, welche Mengen an Material wir verschleißen !! Zum Bsp. die 5x Vorderradspeichen und die 3 – plus x, wegen des Umwerfers – hinten. Und dann: Gestern Nachmittag hatten wir gerade Mojacár verlassen, hatten eine Steigung gemeistert und fuhren gerade feixend an einer leer stehenden Golfplatzanlage vorbei … bzw. Moment wollten wir: kurz vor dem Kreisverkehr bemerkte Florian einen platten Hinterreifen (sogar der, der erst 3 Löcher hatte!) – das Ventil war hin und wir hatten dummerweise ausgerechnet dafür kein Ersatzteil dabei. Nicht so toll, aber wir hatten ja noch unseren Ersatzschlauch – aber eben nur mit einem Autoventil und wir ohne Extraautoventilpumpe (es gab ja immer Tankstellen dafür bisher oder Fahrradläden) – da wo wir gerade waren, war aber nur der Golfplatz und eine Siedlung dazugehörig. Wir versuchten unser Glück und tatsächlich kam Florian fröhlich pfeifend wenig später mit aufgepumpten Reifen zurück. Wie schön, wir konnten weiter. Sagen wir 3 Kurven später (wir sahen die nächste Steigung vor uns und um uns herum Bergketten) ich war gerade in den Büschen und hörte auf einmal einen Knall, den ich für einen Schuss, der Kaninchen oder Rebhühnern gelten sollte hielt – aber nein, Florian guckte mich an wie ein begossener Pudel und sagte kleinlaut “das war unser Schlauch, der Typ vorhin hatte keinen Zähler an seinem Golf-Caddie-Kompressor und anscheinend war das zu viel” …. alles eigentlich kein Problem mit einem Radladen um die Ecke, hatten wir aber nicht ;-) – als sich Florian spaßeshalber an den Straßenrand stellte, war schnell klar: das war die beste Möglichkeit um zu einem Fahrradhändler zu kommen: per Anhalter! ich hielt keine 2 Minuten den Daumen raus und schon hielt Luis mit einem kleinen Transporter an. Er bot uns sogar an, uns die 80km weiter in die nächste größere Stadt, also bis Alemería, mitzunehmen! In der Blechkiste sitzend wurde uns schnell klar, wie schnell die Natur an uns vorbeizog und wie sehr wir es wirklich genießen uns selbst alles zu erarbeiten. So lange es eben Sinn macht und wir das notwendige Material haben. Unser Warmshowerer Fran konnte uns auch schon einen Abend früher aufnehmen und das Hinterrad war tatsächlich schnell repariert … das dazu ;-) … morgen geht es weiter auf der Zielgeraden !! neue Bilder in der Gallerie  und neues Routenupdate!

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