Ankommen in Potsdam-West

Standard

Seit dem 25.Mai 2012 haben wir nun also die Wohnung in Hannover aufgelöst und sind dabei, in Potsdam anzukommen, und zwar in der – Achtung, Lokalsprech – “CVO35″, der Carl von Ossietzky Straße, Hausnummer 35, “in West”. Angeblich das kinderreichste Haus in der kinderreichsten Straße in einer der kinderreichsten Städte Deutschlands… Das wird u.a. deutlich an der Vielzahl von Kinderanhängern auf dem Hinterhof und in den Foyers der beiden Eingänge, und natürlich an den Kindern selbst, die nachmittags den Garten bevölkern und den Elterngrüppchen die dort abends picknicken.  Hier eine Auswahl von Fotos aus unserer ersten Zeit hier, Erklärungen dazu weiter unten, wenn’s zu schnell geht, einfach auf Pause drücken :-)

This slideshow requires JavaScript.

Potsdam 2. Mietendemo “Recht auf Stadt für alle” – Sommerfest im Projekthaus Babelsberg – ADFC-Sternfahrt mit 100.000 anderen Radlern auf der AVUS – Uni-Sommerfest – Veganes Kochen der Foodcoop Nahrungskette auf dem Uni-Sommerfest mit Tolstoi-Zitat als Motto – Garten in dem Hausprojekt “Paste” – Frank der Demeter-Gärtner unserer neugegründeten CSA liefert: 38 Salatköpfe etc – “West” – Spielplatz in “West” – CVO35 Garten -  Multifunktionsort “Die Platte” in West - Sonnenuntergang Griebnitzsee – Veganes Sommerfest am Wagenplatz auf Hermannswerder – Buntes Segelboot vor Werder  – “Stadt macht Satt”-Projekt mit “unförmigen” Lebensmitteln – zweitgrößtes Braunkohlekraftwerk in Deutschland: Jänschwalde bei Cottbus – Storch vor unserem Balkon – Publikum bei Peer Gynt auf “Der Platte” -  Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) auf dem Telegraphenberg – Summer School am PIK

Cadiz – Caputh mit 30x Regionalzug

Standard

Unsere bisherige Rückreise in Zahlen:  ca. 3000 Bahn-Kilometer auf Regionalstrecken,  mehr als 400 innerstädtisch per Tandem erradelte Kilometer,  49 Tage unterwegs (oder als Ruhetage an einzelnen Orten verbracht),  30 verschiedene (Regional-)Züge, 18 tolle GastgeberInnen. Bei letzteren wollen wir uns hiermit nochmal ausdrücklich bedanken: Herzlichen Dank an Pablo in Sevilla,  bei Daniel&Anna&Marco in Cordoba, bei Lucia und ihren Kleinen in Madrid, bei Acier in Gorriti (bei Donostia), bei Guillaume&Helene&Nais in Bordeaux, bei Meike&David in Montreuil bei Paris, bei Juli&Fabian in Brüssel, bei Judith&Franziskus&Jasper in Roermond, bei Veras Eltern in Kempen und bei Katrin in Essen (letzter Blogeintrag).

Unsere weiteren Rückreisestationen (und vorzüglichen GastgeberInnen) waren dann der Konfetti-Regen im hannoverschen Bahnhof mit Steffi und Ana — danke dafür, wir haben uns sehr gefreut! — einen riesengroßen Dank bei unserem Faktotum Dörte in der List, bei Ines&Heiko&Mattis in Hamburg, bei Ingo&Chris&Fine&Anabel in Steinhude, bei Ana in Linden, bei Florians Eltern im hessischen Braach, bei Kika&Eiko&Manuel&Melina in Ricklingen und jetzt schon einmal zwischendurch bei Annedore&Roland in Caputh bei Potsdam, mit denen wir demnächst ein vegane Fernseh-Kochshow  anbieten werden ;-) (Roland, der Falsche Hase am Ostersamstag war klasse!!) inspiriert wohl auch ein wenig von Albert Einstein, der hier in der Nachbarschaft sein Sommerhaus hatte (dies nur eine von Capuths vielen großen Attraktionen), der selber Tiere auch lieber frei herumlaufen statt in Schlachthöfen und auf  seinem Teller sah. Hier – ganz in orange – unser “Kochstudio”, derzeit noch daheim bei Annedore und Roland, hinter diesen zwei Fenstern im orangenen Haus von Caputh. Dradio (“Essgenuss ohne Tierleid”) und ARTE (“Die neuen Vegetarier”) konnten über Ostern übrigens mit sehr spannenden Themensendungen überzeugen und zeigen, dass eine vielfältige Bioernährung komplett ohne Tierleid auskommen kann. Biovegan sei sogar gesünder für Mensch, Tier und Umwelt (Mitwelt?).  Eine Premiere für mich war vor ein paar Tagen der Besuch in Berlins ersten komplett veganen Supermarkt – veganer Käse aus Soyamilch lässt grüßen!

Nun denn – mal sehen, was in den restlichen drei Monaten unseres Sabbatjahres noch so alles passieren wird!

Bis hoffentlich bald!

Hier noch Fotos vom Caputher Strand, beim Taichi und beim Oster-Lobbyisten-Spaziergang entlang der Büros von Rüstungskonzernen wie  EADS oder Airbus im Berliner Regierungsviertel.

Heimleuchten am Bahnstrom-KKW Datteln 1-3 und “Schwarzbau” 4

Standard

“Heimleuchten” – symbolisch auch für uns, dieser Lichterkette-Aktionsname der Erneuerbare Energien-Bürgerinitiativen und der Klima-Allianz rund um Eons KKW-Blöcke von Datteln bei Recklinghausen. Die Anlagen 1-3 (Foto) produzieren 1 Mio t co2 im Jahr, ausschließlich für die Deutsche Bahn übrigens, deren Energiewende auf der Schiene trotz großer Ankündigungen noch keine Fahrt aufgenommen hat. Der Betrieb der Anlagen 1-3 sollte laut rot-grüner Regierung Ende des Jahres eingeschränkt werden. Durch die anstehenden Neuwahlen wird die Debatte noch einmal einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert werden. Nach dem Urteil eines lokalen Gerichts von 2009 darf die unter Missachtung des lokalen Bebauungsplanes heute  fast fertig gestellte Anlage 4 (8 Mio t co2/Jahr!!) nicht ans Netz. Dieses Urteil wurde noch einmal vom Bundesverwaltungsgericht in Leipzig bestätigt, und der 2. Jahrestag dieses Urteils wurde gestern mit der Lichterkette gefeiert. Scherzhaft wurde schon über die Nachnutzung der Anlage gesprochen und als Bsp. das Ex-AKW Kalkar herangezogen, auch in NRW: es ist heute als Freizeitpark angeblich sehr beliebt, rund um den Kühlturm geht ein Karussell. Gefeiert wurde auch der Erfolg des Bürgerinitiativen in Krefeld, wo Trianel jetzt von einem KKW abgesehen hat und nun stattdessen ein Gaskraftwerk plant. Sehr gelungen im Übrigen auch der Beitrag der letzten Heute Show zu Fukushima, Angra3 in Brasilien, zur Energiewende allgemein und speziell zu EON (ab Min 13:10, zu den lecken AKW-Fässern in Brunsbüttel schon ab 10:15).

Seit Brüssel hatten wir noch sehr schöne Zwischenstopps in Süd-Holland bei Judith, Franziskus und Jaspar und am Niederrhein bei Veras Eltern gemacht. Unser nächster Stopp ist nun tatsächlich Hannover!

Bunter Themenblumenstrauß im Brüsseler Europaparlament

Standard

Ja was denn nun? Die Debatte im Plenum zu ungleichen Tarifstrukturen, fehlenden weiblichen Firmen-CEOs, Frauenquote in Vorständen und zu vielerorts fehlendem Frauenerbschaftsrecht, also die EU-Debatte anlässlich des Weltfrauentages?    Um 9Uhr zu früh für uns, die wir am Vortag erst so verspätet aus Paris angekommen waren. Die Konferenz “Japan – 1 Jahr nach der Nuklearkatastrophe” u.a. mit dem ehemaligen Fukushima-Gouverneur und Energiewende-Unterstützer  Eisaku Sato? Verpasst, müssen wir nachgucken auf dem Parlaments-TV-Archiv (oder auch in der ZDF Mediathek, im Rahmen des Beitrags “Die Fukushima-Lüge“).  Die Landgrabbing-Tank-statt-Teller-ExpertInnenrunde? Liegt genau richtig in unserem Zeitplan!

Fabian besorgt uns die Besucherausweise und schon sitzen wir drin, in einem der dem Parlamentssaal angeschlossenen Konferenzräume. Wir hören Jean Zieglers Nachfolger Olivier de Schuttler,  UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, in einer Videobotschaft an die an dem Thema arbeitenden ParlamentarierInnen oder deren MitarbeiterInnen, NGO-VertreterInnen, Journalisten, unabhängigen Fachleuten, Banken- und Firmenlobbyisten  von Deutsche Bank, Cargill/Monsanto und Co. (nachzuschauen im Parlaments-TV hier).  Beim Reingehen treffen wir – welch nette Überraschung – Daniel, Veras Zupi-Kollege, der mittlerweile für Friends of the Earth Europe in Brüssel arbeitet und die Studie “Farming Money” mit herausgegeben hat, die das Verwickeltsein der Pensionsfonds von Deutsche Bank, AXA, HSBC, Allianz u.a. in Nahrungsmittelspekulation und eben auch Landgrabs ausführlich beleuchtet. Neben dem Schlagwort “Trog-statt-Teller” (Soja-Futtermittel-Frage) und “Tank-statt-Teller” (Agrosprit 1.0) also auch “Bank-statt-Teller”? Griffige Kampagnen-Slogans dann auch an allen Ecken des Infotischs am Eingang des  Konferenzraums, einer der eindrücklichsten nach wie vor von Foodwatch e.V.: “Hände weg vom Acker, Mann!” mit der entsprechenden Studie zur Deutschen Bank. Oder die interaktive Weltkarte zum Thema Landgrabbing von Inkota e.V. Dann noch die allgemeinen Hinweise zu den (Nachhaltigkeits-)Portfolios aller Banken weltweit, von Banktrack.org, ferner Transparency International und lobbycontrol.org, sowie die Bankenwechsel-Kampagne “Krötenwanderung” von ATTAC, mit der Auswahl sozialökologisch engagierterer Banken. Auch GRAIN war vertreten, jene kleine NGO aus Barcelona, die uns schon dort aufgefallen war, weil sie ausschließlich zu Nahrungsmittel-Souveranität arbeitet und dafür 2011 einer der Alternativen Nobelpreise bekommen hatte. Die rund um uns hinter den Fenstern der Galerie positionierten Simultan-Übersetzerinnen leisteten beeindruckende  Arbeit. In dieser Runde wurde nur innerhalb von drei Sprachen übersetzt, anders als im Parlamentssaal nebenan. Dort konnten wir später alle 27 plus x Übersetzerhäuschen sehen, allerdings war die Debatte zum Weltfrauentag ja schon vorbei. Das Abstimmungsverhalten aller Europaparlamentatierinnen ist übrigens auf www.abgeordnetenwatch.org verfolgbar! Persönlich dann auch per Einladung aus den Reihen der 754 Abgeordneten oder natürlich auch von der Besuchergalerie. Vielen Dank für die Einladung, Fabian, demnächst kommen wir dann mit SchülerInnen!

Bordeaux und Paris: mehrmals ein Dejavu und etwas Neues!

Standard
Bordeaux und Paris: mehrmals ein Dejavu und etwas Neues!

Schöner Wiedererkennungseffekt in Frankreich: Kaum kommen wir bei Guillaume und Helene (und ihrer zweijährigen Nais) an, erklären sie uns, dass sie für das gemeinsame Kochen erst noch zur Verteilstelle ihres Gemüse-AMAP müssten, ob wir denn wüssten was das sei, ein AMAP! Anders als letzten September (vgl. unseren Post “Was ist ein AMAP”), als wir bei Zabou und Yves zu Gast bei der Weinlese waren, die für eine solche Einkaufsgemeinschaft Bioobst produzierten, waren wir diesmal eingeladen, das ganze aus Konsumentensicht zu beobachten: in einer Art Gemeindezentrum waren Kisten verschiedener Wintergemüse aufgebaut, von denen sich Guillaume einen großen Korb (10kg?) zusammenstellen konnte. Ohne vor Ort dafür zu bezahlen. Denn Anfang des Jahres hatte er und andere 20 Familien dem Hof soviel Geld vorgestreckt – 750 EUR pro Partei (je nach Familiengröße) -, so dass auf dem Hof Planungssicherheit für das Jahr herrschte und genau klar war, was produziert werden sollte. Einen weiteren AMAP hat der Hof im Programm und macht evt. auch noch den Wochenmarkt. Nun stellt sich Guillaume jeden Mittwoch einen riesigen Korb zusammen und alle paar Mittwoche hilft er bei der Verteilung. Reingefahren wird das Gemüse von der Vertragslandwirtin selbst, sie ist mal bei dem einen, mal bei dem anderen AMAP bei der Verteilung dabei. (Rob, das beantwortet hoffentlich deine Frage im Kommentar von neulich.) Bei Guillaume und Helene waren wir die ersten Warmshower-Gäste! Beide sind begeisterte Tourenradler, besonders Jordanien habe ihnen zuletzt gut gefallen, was uns an unsere indirekte Tandem-Bekanntschaft, das tandem-nostrum.org, erinnerte, die auf ihrer Mittelmeer-Umrundung gerade in Jordanien sind. Syrien mussten sie leider umfahren… Jetzt mit Nais fahren die beiden fleißig mit Anhänger und überlegen, auf ein Tandem umzusatteln. Nais und Guillaume haben unser Tandem dann auch am nächsten Morgen ausprobiert, als ich sie zur Kinderkrippe radelte. Inspiration hatten sie sich allerdings auch schon vor der Begegnung mit uns gesucht, wie in zwei Tandem-Bildern der Slideshow weiter unten zu sehen ist, die wir aus einer Fahrradzeitschrift bei ihnen abfotografiert haben.

In Paris-Montreuil bei Meike und David mehr Wiedererkennungseffekt: der Gemeinschaftsgarten, den wir letzten April schon kennengelernt hatten, wird nach wie vor kultuviert (diesmal wurde eine Saatgut-Tauschbörse und ein piquenique veranstaltet), Montreuil ist nach wie vor sehr lebendig, hat immer noch seine grüne Bürgermeisterin, und – apropos Politik – der Wahlkampf hat uns wieder! Nachdem er sich schon letzten Herbst in Frankreich angekündigt hatte – und wir zwischendurch spanischen, marokkanischen direkt erlebt hatten, per Radio auch russischen und amerikanischen – ist jetzt die Hochphase vor der Wahl am 22.4. erreicht. Auch all diejenigen, die ihn beeinflussen wollen, arbeiten auf Hochtouren: Meike und ihre französische Sektion der NGO “Climate Action Network” mit ihrer Konferenz zu Energie-Entwicklungs-Szenarien 2050, diejenigen, die an der Vorbereitung der 200km langen Fukushima-Gedenktag-Menschenkette von Lyon nach Avignon am kommenden Sonntag, “three-eleven”, arbeiten (mit Veranstaltungen auch in Paris, Bordeaux und anderen Städten abseits der langen Kette) und natürlich auch die Karikaturisten in den Tageszeitungen (Bsp. davon in der Slideshow unten). Neu, ohne Deja-Vu, war übrigens der Riesen-Wurmkomposter von Ami de la Terre nebem dem Spielplatz, wo alle aus der Nachbarschaft mit ihrem Biomüll die Würmer füttern können. Die Stadt holt dann die Erde ab und nutzt sie für Anpflanzungen.

This slideshow requires JavaScript.

Mittlerweile sind wir von Paris mit endlosen Regional-Zugverbindungen und besonders netten belgischen Schaffnern nach Brüssel gereist. Juli fängt heute ihren neuen, unbefristeten (!) Job bei der NGO Health and Environment Alliance an, ihr Freund Fabian ist Assistent einer Europa-Abgeordneten. Nachher – am Weltfrauentag übrigens – bekommen wir das EU-Parlament gezeigt. Nach Straßburg wieder so ein Deja-Vu…